Ein Stadtteil steht unter Schock

Die Spurensuche am Tatort wird vorbereitet. Foto: Mücahid Güler

Schüler ersticht Mitschüler - das Opfer: Samyullah Y. (17)

In den Schulcontainern an der Prassekstraße wird nicht mehr unterrichtet. Vor einer Woche fand hier ein Verbrechen statt, das es an einer Hamburger Schule noch nicht gegeben hat. Der 17-jährige Samyullah Y. wurde in einer Pause im Klassenraum von einem Mitschüler erstochen. Vor der Nelson-Mandela-Schule erinnern jetzt Kerzen und Grablichter an Samyullah Y. Auch in zahlreichen Gottesdiensten wurde am Sonntag seiner gedacht. Ein Stadtteil steht unter Schock.

Was genau ist passiert? Amin R. (17), ohne Familie aus Afghanistan geflüchtet, besucht eine internationale Vorbereitungsklasse an der Nelson-Mandela-Schule. In einer Unterrichtspause spricht er am Dienstagvormittag mit Samyullah Y. (17). Der ist ebenfalls ganz allein aus Afghanistan nach Deutschland gekommen und lebt in Harburg in einer betreuten Wohnunterkunft in der Stader Straße. Plötzlich sticht Amin R. mehrfach auf seinen Mitschüler ein. Als die sofort alarmierte Polizei eintrifft, lässt sich Amin R. widerstandslos festnehmen. Der Notarzt kann Samyullah Y. nicht mehr retten. Das Motiv der Tat ist noch unklar.

Wie geht man an der Schule mit dem Verbrechen um? Werden die Schüler besonders betreut? „Wir haben ein Präventionszentrum mit Schulpsychologen, Sozialarbeitern und Sozialpädagogen eingerichtet, die gemeinsam mit Schülern und Lehrkräften das Geschehen aufzuarbeiten versuchen“, erläutert Schulbehörden-Sprecher Peter Albrecht. „Eine kleine Trauerfeier fand bereits am Mittwochmittag statt.“

Wird es an Hamburger Schulen immer gefährlicher? Seit der ersten Erhebung im Schuljahr 2009/2010 hat sich die Zahl der Gewalttaten vervierfacht. 2014 wurden 1.908 Gewalttaten registriert, darunter 317 schwere Taten (Raub, gefährliche Körperverletzung, Erpressung, Sexualdelikte). Behörden-Sprecher Albrecht wiegelt ab: „Nicht die Zahl der Taten hat sich erhöht, sondern das Meldeverhalten der Schulen. Wir haben Schulen inzwischen zwingend verpflichtet zu melden, selbst kleine Rangeleien. Der Großteil der Gewaltmeldungen fällt auf kleinere Auseinandersetzungen.“

Schulpflichtige Flüchtlinge
Bei ihrer Ankunft in Hamburg sprechen die meisten Flüchtlingskinder kein Deutsch und können deshalb auch keine regulären Schulklassen besuchen. Sie werden erst einmal in speziellen, höchstens 15 Schüler starken Internationalen Vorbereitungsklassen unterrichtet - 30 Stunden pro Woche. Ziel ist es, ihnen schnell einen regulären Schulbesuch zu ermöglichen. „Nach spätestens einem Jahr soll ein Wechsel in eine Regelklasse erfolgen“, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde.
Vorbereitungsklassen gibt es an Schulen in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften. Im Bezirk Harburg sind dies die Schulen Maretstraße und Dempwolffstraße, die Stadtteilschule Süderelbe sowie in Wilhelmsburg die Nelson-
Mandela-Schule.
Wie viele Vorbereitungsklassen es in Hamburg und im Bezirk Harburg an welcher Schule gibt, konnte die Schulbehörde binnen einer Woche nicht herausfinden. Wie viele schulpflichtige Flüchtlinge gibt es in Hamburg? „Darüber liegen uns keine Erkenntnisse vor“, sagt Sozialbehörden-Sprecher Marcel Schweitzer.
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