Ein Stadtteil in den besten Jahren

Kurz vor der Einweihung: Die Saga – einer der größten Vermieter im Viertel – feiert Richtfest an einem ihrer Hochhäuser (1975) . Foto: Saga/gwg

40. Geburtstag: Am Wochenende wird
in Kirchdorf-Süd gefeiert!

Von Christopher von Savigny.
Gebaut wurde quasi mitten im Matsch: Rund 9.000 Rammpfähle waren nötig, um ein stabiles Fundament für Wilhelmsburgs neue Großwohnsiedlung zu schaffen. Etwa drei Jahre dauerten die Bauarbeiten, bevor das Quartier 1976 offiziell eingeweiht werden konnte. Heute hat Kirchdorf-Süd, das in diesen Tagen seinen 40. Geburtstag feiert, rund 6.000 Einwohner.
Rückblick: Anfang der 1970er Jahre sind viele Menschen aus dem Hamburger Süden auf Wohnungssuche. Auffallend viele Jungverheiratete sind darunter, aber auch Migranten (die damals Gastarbeiter hießen), sowie Bewohner aus Neuhof, dem Stadtteil, der 1974 zum Industriegebiet erklärt wurde. Die Stadt entscheidet sich für den grünen Osten der Elbinsel. 2.300 Wohnungen werden es am Ende sein, die „luftigsten“ von ihnen befinden sich im 14. Stock. Tatsächlich waren wohl nur zwölf Stockwerke geplant gewesen – allerdings setzten die Bauherren kurzerhand noch zwei Etagen obendrauf. Offiziell wurde diese Maßnahme mit „ästhetischen Gesichtspunkten“ begründet, in Wirklichkeit ging es aber lediglich um Kostenersparnis.
Die Wohnungen waren modern und gut geschnitten und fanden schnell Abnehmer. Doch die anfängliche Begeisterung für den neuen Stadtteil hielt nicht lange an. Es fehle an der nötigen Infrastruktur, hieß es. Kitas, Spielplätze, Läden – weitgehend Fehlanzeige. Auch die Verkehrsverbindungen waren miserabel. Mieter beschwerten sich über undichte Fenster und zugige Treppenhäuser.
„Kirchdorf-Süd galt als die jüngste und gleichzeitig am schnellsten sanierungsbedürftige Großwohnsiedlung Hamburgs“, sagt Margret Markert, Leiterin der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg. Kriminalität und Vandalismus machten sich breit, der Stadtteil wurde zum sozialen Brennpunkt. Das Fernsehen entdeckte Kirchdorf-Süd als Krimi-Kulisse: Kommissare und Verbrecher lieferten sich Verfolgungsjagden auf den Laubengängen, die die Wohnungen auf den einzelnen Stockwerken miteinander verbanden.
Erst spät gelang es der Siedlung, ihr Image zu verbessern: Ein Kinderbauernhof entstand, ebenso ein Jugendzentrum, ein Bauspielplatz, eine Elternschule und ein Freizeithaus. Wer heute spätabends durch den Karl-Arnold-Ring spaziert, muss nicht mehr fürchten, überfallen zu werden. „Das ehemalige 'Getto' hat sich doch sehr verändert“, sagt Markert.

Festprogramm
Auf dem Marktplatz am Karl-Arnold-Ring lassen die Kirchdorfer ihren Stadtteil am Sonnabend, 11. Juni, hochleben. Auf dem Programm stehen eine vielstimmige Theater- und Tanzperformance, ein Literaturrundgang mit Heimatbezug sowie eine interaktive Ausstellung zur Geschichte des Quartiers. Die Schreibwerkstatt präsentiert selbst verfasste Geschichten von Bewohnern. Für das leibliche Wohl sorgen internationale Gerichte. Gefeiert wird von 14 bis 18 Uhr. Infos:

www.kirchdorf-sued.jimdo.com
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