Ein sicheres Zuhause

Amal möchte ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie und ihre Tochter haben Angst vor Spitzeln des syrischen Geheimdienstes. Foto: cvs

Wilhelmsburgerin nimmt Mutter und Tochter aus Syrien
bei sich in der Wohnung auf

Christopher von Savigny.
Auf die Frage, wie es ihr geht, muss Amal (Name v.d. Red. geändert) kurz überlegen. „Besser“, sagt sie dann. „Wirklich besser!“ Amal trägt eine große, schwarze Sonnenbrille, die fast ihr halbes Gesicht verdeckt. Viel sehen kann man nicht von ihr – auch nicht, ob sie gerade fröhlich oder traurig ist. Aber sie lacht oft. „Manchmal zeige ich mich stark, obwohl ich mich eigentlich ganz schwach fühle“, sagt sie. „Weil ich weiß, dass es anderen noch viel schlechter geht als mir.“
Amal (54) kommt aus der syrischen Stadt Homs. Ende 2011, vor etwa dreieinhalb Jahren, musste sie mit ihrer Tochter Yassmin (Name geändert) vor dem Bürgerkrieg in ihrem Heimatland fliehen. Die Tochter ist heute 18 Jahre alt. Sie spricht nicht viel. Ein Freund von ihr wurde in Homs auf offener Straße erschossen. Yassmin stand direkt daneben. Seither hat sich die junge Frau immer mehr von ihrer Umwelt abgekapselt. Meist verkriecht sie sich in ihr Zimmer. Immerhin hält sie über das Internet Kontakt zu ehemaligen Mitschülern, die in Syrien geblieben sind.
Amal und Yassmin wohnen bei Barbara Kopf in Wilhelmsburg. Kopf leitet eine Handarbeitsgruppe in der Flüchtlingsunterkunft am Karl-Arnold-Ring. Dort haben sie sich kennengelernt. „Als sie mir erzählte, dass ihre Tochter gar nicht mehr aufsteht, da hat es bei mir 'pling' gemacht“, berichtet Barbara Kopf. Sie nahm die beiden Frauen bei sich zu Hause auf. Es sei eine reine Bauchentscheidung gewesen. „Und ich hab' ja auch Platz.“
Das Zusammenleben empfindet die Wilhelmsburgerin als große Bereicherung. Die beiden unterhalten sich viel miteinander. Amal spricht sehr gut Deutsch, da sie schon einmal für längere Zeit in Berlin gelebt hat. Jetzt gibt es bei Barbara Kopf immer häufiger syrisches Essen. „Ich koche kaum noch“, sagt Kopf.
Die beiden Flüchtlingsfrauen leben seit Ende 2014 in Hamburg. Die längste Zeit waren sie in der der Erstaufnahme am Karl-Arnold-Ring untergebracht – praktisch ohne Privat-sphäre. Amal hat inzwischen eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, ihre Tochter noch nicht. Vielleicht in zwei bis drei Monaten, hoffen die Frauen. Dann könnte Yassmin ihr Abitur nachholen, Amal wieder in ihrem alten Beruf als Kita-Erzieherin arbeiten.
Nach Syrien möchten sie nicht zurück. „Wir wollen nach Nordrhein-Westfalen, denn dort wohnen noch ein Sohn und eine Tochter von mir“, sagt Amal.
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