Ein ganz besonderes Kunstwerk

Zwei Freundinnen, ein Wandbild. Edith Merklin und Sonja Langer werden ihr Kunstwerk vermissen.

Kleingärtnerin muss Parzelle für Verlegung der Reichsstraße aufgeben und trauert um ein Wandbild an ihrer Laube

An ihrem Garten hängen sehr viele Erinnerungen, erzählt Edith Merklin. Seit 1959 pflegt sie ihr grünes Idyll, im November wird sie es räumen müssen. Ihr Kleingarten und 18 weitere Parzellen des Vereins „Op Schulzens Eck“ sollen der Wilhelmsburger Reichsstraße im Rahmen der geplanten Verlegung weichen. Trotz der schönen Zeit, die sie vermissen wird, will die Rentnerin nicht jammern. „Man muss sich trennen. Jetzt kommt was anderes Schönes“, sagt sie ganz pragmatisch. Um etwas tut es ihr dennoch leid: Mit ihrem Garten wird auch das schöne Wandbild verschwinden, dass sie gemeinsam mit ihrer Freundin Sonja Langer auf die Rückwand der Laube gemalt hat.
Das fünf mal zweieinhalb Meter große Bild zeigt eine Meereslandschaft mit Felsen und einem Segelboot. „Dass es plattgemacht wird, finde ich sehr schade“, sagt Sonja Langer. Entstanden ist es 2002, inspiriert von einem Wandbild, das die Frauen auf einer gemeinsamen Reise gesehen hatten. „So etwas kann ich auch malen“, sagte sich Langer damals. Nach ihrer Rückkehr besorgte Merklin Farbe und Pinsel und die beiden machten sich ans Werk.
Dann hatte ein Nachbar die Idee, eine Vernissage zu veranstalten. „20 Nachbarn sind gekommen und haben Gartenstühle, Bier, Korn und Brause, und sogar Gläser und einen zusätzlichen Tisch mitgebracht“, erinnert sich Langer. Ein Kasten Bier landete zur Kühlung im Goldfischteich, dann wurde das Wandbild, das der Nachbar mit einer Plane bedeckt hatte, enthüllt. Bis tief in die Nacht feierte man ausgelassen. Viele hätten anfangs gar nicht gewusst, was eine Vernissage überhaupt sei, sagt Langer schmunzelnd.
Ganz verabschieden wollen sich die beiden Freundinnen nicht von ihrem Kunstwerk. „Ich werde mir ein Stück Mauer mit nach Hause nehmen, wie andere es mit der Berliner Mauer gemacht haben“, sagt Merk-lin. Und fügt an ihre Freundin gerichtet hinzu: „Dir gebe ich natürlich ein Stück Mauer ab.“
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