Ehrgeiziger als das Amt erlaubt

48-Jährige beginnt Weiterbildung – ohne Zusage vom Arbeitsamt

Der Job hat sie in die Verzweiflung getrieben: Brigitte Brüning, einst gut bezahlte Netzwerkbetreuerin bei IBM, wurde erst gemobbt und dann gekündigt. Sie erkrankte, wurde depressiv, zwei Jahre ging nichts mehr. Jetzt hat sich die 48-Jährige berappelt und will mit Hilfe einer Weiterbildungsmaßnahme wieder Fuß fassen auf dem Arbeitsmarkt. „Doch das Arbeitsamt legt mir Steine in den Weg“, klagt sie.
An ihrem Wohnort Rotenburg/ Wümme hat die örtliche Arbeitsagentur ihr bereits signalisiert, dass eine Weiterbildung nicht finanziert werde. Der Grund für die Ablehnung ist ein psychologisches Gutachten, das ihr attestiert, sie sei psychisch nicht belastbar. „Die wollen, dass ich zuerst eine Therapie mache“, sagt Brüning empört. „Dabei würde es mir viel besser gehen, wenn ich wieder arbeiten könnte!“
Um ihr Ziel doch noch zu erreichen, hat Brigitte Brüning jetzt ihren ersten Wohnsitz nach Wilhelmsburg verlegt. „Bei der Hamburger Arbeitsagentur habe ich bessere Chancen als in Niedersachsen“, glaubt die 48-Jährige. Um ihrem Ziel Nachdruck zu verleihen, hat Brüning vergangene Woche eine sechsmonatige Fortbildung am Hanse College begonnen – ohne Zusage der zuständigen Arbeitsagentur in Harburg, die Kosten von rund 7.000 Euro zu übernehmen. „Die wollen mir erst für Ende November einen Termin geben, das ist Schikane!“, findet sie. Nun will sie das Geld vorstrecken – und hofft, dass das Amt doch noch zahlt.
Bei der Hamburger Agentur für Arbeit kommt diese Vorgehensweise nicht gut an. „Ohne eine Zusage mit der Schulung anzufangen, ist denkbar un-günstig“, stellt Behördensprecher Knut Böhrnsen klar. Zwar bekomme die Kundin in so einem dringenden Fall selbstverständlich einen früheren Termin, versichert er. „Aber wenn eine gesundheitliche Beeinträchtigung besteht, dürfen auch wir keine Weiterbildung finanzieren.“ Das psychologische Gutachten sei in Hamburg ebenso maßgebend wie in Niedersachsen. „Wir wollen, dass Menschen sich weiterbilden, aber es gibt klare rechtliche Voraussetzungen, an die wir uns halten müssen“, so Böhrnsen.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
7
Morgan Wutzke aus Rönneburg | 08.08.2013 | 15:18  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.