Ehrenamtliche schmeißen den Laden

Weltmeisterin im Brötchen schmieren: Frieda hilft seit Jahren mit.

Wilhelmsburger Tafel muss jetzt ohne Ein-Euro-Jobber auskommen

Im Deichhaus am Vogelhüttendeich 55 weht ein neuer Wind: Die Wilhelmsburger Tafel, ein Projekt der Arbeitsloseninitative Wilhelmsburg (AIW), wird jetzt allein von Ehrenamtlichen betrieben. Bislang hatten Ein-Euro-Jobber den Laden geschmissen. „Doch nachdem das Arbeitsamt uns für dieses Jahr keine neuen Stellen bewilligt hat, musste die Tafel zum 30. September geschlossen werden“, erklärt AIW-Vorsitzender Hildebrand Henatsch. Zum Glück nur kurz: Drei Tage später wurde die Tafel als Ehrenamtlichenprojekt neu eröffnet.
Die AIW gGmbH, die die Tafel bisher als Beschäftigungsprojekt geführt hatte, wurde aufgelöst, zurück bleibt der Verein AIW. „Jetzt sind wir wieder da, wo 1994 alles angefangen hat“, sagt Gudrun Topuran-Schmidt, neue, ehrenamtliche Leiterin der Tafel. Die gelernte Verkäuferin ist Mutter von sechs Kindern und weiß deshalb, wie man einen großen Haushalt organisiert: Rund 250 Besucher pro Woche müssen mit frischen Lebensmitteln versorgt werden, hinzu kommen etwa 20 Gäste pro Tag, die im Deichhaus frühstücken oder Mittag essen. Fachmännisch unterstützt wird sie von Wolfgang Grigo, ihrem Stellvertreter, einem ehemaligen Groß- und Außenhandelskaufmann. „Wir hoffen, dass bald wieder mehr Besucher kommen“, sagt Grigo.
Denn die Besucherzahlen seien in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen. Grigo: „Hier herrschte zuletzt ein rüder Umgangston, da sind viele Kunden weggeblieben.“ Das will das neue Team jetzt ändern. „Wir schicken keinen hungrig weg, eine Suppe ist immer übrig“, versichert Grigo. Auch wenn jemand mal kein Geld dabei habe, ergänzt er. Außerdem wurden die Preise gesenkt. „1,20 Euro für ‘nen Kaffee ist einfach zuviel“, findet Topuran-Schmidt.
Die beiden neuen Leiter sind um gute Stimmung im Team bemüht, schließlich arbeiten hier alle freiwillig. „Die Atmosphäre muss stimmen, das war alles zuletzt so lieblos“, sagt Grigo. Jetzt stehen wieder Blumen auf den Tischen, man hört die Ehrenamtlichen fröhlich durchs Haus klönen. „Hier ist die Stimmung gut, das merken hoffentlich auch die Besucher“, hofft Topuran-Schmidt.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.