Echt miese Bezahlung

„Dieser Arbeitsvertrag ist reine Ausbeutung“, sagt Martina Behse-Jönsson (53).

Subunternehmer der igs zahlt Dumpinglöhne – Jobcenter hat 55 Hartz-IV-Empfänger vermittelt

Martina Behse-Jönsson ist empört: „Der zahlt Dumpinglöhne und verdient sich selbst eine goldene Nase!“ Die Rede ist von Matthias Polster und dessen Cateringservice GCS. Die internationale Gartenschau (igs) hat den sächsischen Unternehmer für die sechsmonatige Blümchenschau als Allein-Caterer verpflichtet. Wenn in fünf Wochen die ersten Besucher anrücken, sollen 200 Gastro-Mitarbeiter in vier Restaurants und zwei Cafés für deren leibliches Wohl sorgen. Auch Martina Behse-Jönsson hat sich um einen Job bei GCS beworben, dann aber einen Rückzieher gemacht. „Das ist Ausbeutung“, sagt die Harburgerin.
Bereits vor vier Wochen hatten die Arbeitsbedingungen des Caterers für Schlagzeilen gesorgt: Für lumpige 1.400 Euro brutto sollten die Beschäftigten an sechs Tagen und 45 Stunden pro Woche schuften, zuzüglich 15 unbezahlter Überstunden. Das macht einen Stundenlohn von 6,66 Euro – deutlich unter dem gerade in Hamburg geforderten gesetzlichen Mindestlohn für städtische Angestellte von 8,50 Euro. Peinlich: Die igs gehört mehrheitlich der Stadt.
Nachverhandlungen wurden gefordert ­– offenbar mit Erfolg: Martina Behse-Jönsson bekam nach ihrem Vorstellungsgespräch einen Arbeitsvertrag zugeschickt, der 1.500 Euro plus 67 Euro Fahrgeld auswies, immerhin. Für die Harburgerin ist das immer noch zu wenig. „Ich muss den Job zum Glück nicht annehmen, doch was ist mit den Hartz-IV-Empfängern, die vom Amt gezwungen werden?“
Das Jobcenter hat bislang 55 Hartz-IV-Empfänger an GCS vermittelt, jedoch ohne Rechtsfolgebelehrung. Das heißt: Wer den Job ablehnt, muss trotzdem nicht mir Sanktionen rechnen. Beim Stundenlohn halte sich GCS ans Gesetz: „Die Firma Polster Catering hat ihren Firmensitz außerhalb von Hamburg und darf nach Firmentarif und dortigem Lohngefüge bezahlen“, so Jobcenter-Sprecherin Beate Chmielewski.
Die igs betont, dass die Vertragsverhandlungen noch nicht abgeschlossen seien. „Wir werden darauf achten, dass die gesetzlichen Vorgaben zum Mindestlohn in Hamburg eingehalten werden“, versichert Michael Langenstein, Sprecher der Gartenschau. Nach der Höhe des Stundenlohns befragt, verweist der igs-Mann auf den Caterer.
Der hüllt sich in Schweigen: Bis Redaktionsschluss kam keine Antwort von Matthias Polster.
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5 Kommentare
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 22.03.2013 | 11:42  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 24.03.2013 | 13:15  
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Dirk Hannemann aus Wilhelmsburg | 25.03.2013 | 18:17  
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Andreas Härtel aus Harburg | 27.03.2013 | 08:09  
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Henrik Friske aus Heimfeld | 29.03.2013 | 10:02  
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