Drei Jahre Knast für Jessica R.

Jessica R. (21), die Mutter des verstorbenen Babys Lara Mia, ist vom Hamburger Landgericht zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Foto: dpa (Foto: dpa)

Mutter des verhungerten Babys Lara Mia zu Jugendstrafe verurteilt

Jessica R., die Mutter der im März 2009 verstorbenen Lara Mia, muss nun doch ins Gefängnis. In einem zweiten Prozess verurteilte das Hamburger Landgericht die 21-Jährige wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von drei Jahren. Die Wilhelmsburgerin hatte ihr Baby verhungern lassen. Der neun Monate alte Säugling wog bei seinem Tod nur noch 4,8 Kilo, die Hälfte von dem, was normal gewesen wäre.
In der ersten Verhandlung hatten die Richter den Vorwurf des versuchten Totschlags fallengelassen, weil Jessica R. immerhin noch den Norarzt alarmiert hätte. 2010 war sie wegen Vernachlässigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nachdem der Bundesgerichtshof im Mai dieses Jahres das Urteil des Hamburger Landgerichts aufgehoben hatte, wurde jetzt neu verhandelt.
In zweiter Instanz attestierte nun ein Gutachter zwar eine Persönlichkeitsstörung bei der Angeklagten – mangelnde Empathie aufgrund einer schwierigen Kindheit –, doch dies wurde nicht als Entschuldigung für die Vernachlässigung des Kindes angesehen. Jessica R. sei vielmehr voll schuldfähig gewesen.
Jessica R. und ihr damaliger Lebensgefährte Daniel C. sollen das Baby bereits seit Oktober 2008 nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt haben. Auch als das Kind deutlich sichtbar zu dünn gewesen sei, wären die Eltern nicht zum Arzt gegangen. Dabei muss Lara Mia unvorstellbare Qualen erlitten haben.
Doch auch in dem neuen Prozess konnte die Todesursache nicht eindeutig geklärt werden – trotz Anhörung eines rechtsmedizinischen und eines kinderärztlichen Sachverständigen. „Neben dem Hungertod kommt auch der plötzliche Kindstod in Betracht“, erklärt Dr. Conrad Müller-Horn, Sprecher des Oberlandesgerichts. „Da der Angeklagten deshalb der Tod des Kindes nicht mit der notwendigen Sicherheit zugerechnet werden kann, lautet die Verurteilung nicht auf vollendeten, sondern versuchten Totschlag durch Unterlassen.“
Das Gericht blieb mit seiner dreijährigen Haftstrafe ein Jahr unter dem, was die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.