Dockville hat Biotope zerstört

Schlammwüste: eine der Hauptstraßen, die im letzten Jahr durch das Campinggelände führte. (Foto: cvs)

Umweltbehörde: Es gibt zwar Ausgleichsmaßnahmen – allerdings nicht in Wilhelmsburg

von Christopher v. Savigny

Rund einen Monat nach dem Ende des letzten Dockville-Festivals ist am Reiherstieg wieder Ruhe eingekehrt. Die Veranstalter haben das Gelände sorgfältig von Müll befreit, ein hoher Maschendrahtzaun verhindert den Zutritt. Doch wo früher Pflanzen wuchsen, sieht man an vielen Stellen jetzt nur noch blankes Erdreich: Tausende von Festivalbesuchern sind in den letzten Jahren über das Gelände gelaufen und haben der Natur schwer zugesetzt. Ein Teil des Grüns scheint sogar unwiderbringlich verloren.
„Es gab dort gesetzlich geschützte Biotope mit Trockenrasen und Schilfröhricht, die jetzt nicht mehr da sind“, sagt Biologe Jörg von Prondzinski vom Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg. Schade für Natur und Umwelt, aber möglicherweise ein Gewinn für die Hamburg Port Authority (HPA) – wenn man es sarkastisch betrachtet. Denn die HPA will das Gelände bekanntermaßen ab 2014 für hafenbezogene Zwecke nutzen und entsprechend bebauen. Sind die Biotope erstmal plattgemacht, dürfte es mit der Baugenehmigung keine Schwierigkeit mehr geben, findet auch der Arbeitskreis. „Dockville hat der HPA die Arbeit abgenommen“, drückt es v. Prondzinski aus.
Die Umweltbehörde (BSU) bestätigt den Verlust der Biotopflächen. Ursache sei der verregnete Sommer 2011 gewesen: Während des Festivals habe der Veranstalter ungenehmigt „Fremdmaterialen“ (gemeint sind Holzhackschnitzel) auf dem durchweichten Boden verteilt. „Dadurch wurde der Tro-ckenrasen zerstört“, sagt BSU-Sprecherin Kerstin Graupner. Auch die Behörde findet den Verlust bedauerlich: „Gerade solche Biotope sind in Hamburg selten“, so Graupner.
Für den abhanden gekommenen Trockenrasen hat Dockville laut BSU eine Ausgleichszahlung geleistet – das neue (Ausgleichs-)Grün soll allerdings in Boberg und nicht in Wilhelmsburg sprießen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) steht der Maßnahme kritisch gegenüber: „Ausgleichsmaßnahmen sollten nur für den Bezirk gelten, in dem auch der Eingriff in die Natur stattgefunden hat“, findet Harald Köpke vom BUND Wilhelmsburg.
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