„Dieses Haus macht uns krank!“

Die total verschimmelte Rückwand ihres Sofas haben Louisa P. (2.v.r.) und Torben L. desinfiziert und nutzen es notdürftig weiter. „Bevor der Schimmel nicht weg ist, macht es keinen Sinn ein neues zu kaufen“, sagt Ballaera. Auch ihre Nachbarinnen Stephanie Holzkamp (l.) und Sabrina Jörgensen mussten Möbel und Einrichtungsgegenstände wegwerfen, weil sie verschimmelt waren.
 
Ekelig und gesundheitsgefährdend: Schimmel im Wohnzimmer von Louisa P.. (Foto: Vivianna Ballaera)

Mieter aus Georgswerder klagen über Schimmel und Feuchtigkeit

Luisa P. und Torben L. (Namen der Redaktion bekannt) waren überglücklich, als sie im Oktober 2013 in die frisch renovierte Wohnung im ersten Stock des Mietshauses im Niedergeorgswerder Deich 32 zogen. Bis sie entlang der blütenweißen Wand im Wohnzimmer plötzlich dicke gelbe, blaue und weiße Flecken entdeckten. „Die Wand war verschimmelt. Und unser Sofa auch“, sagt P.. Dann fand sie im Zimmer nebenan Schimmel und musste eine Kommode mit teuren Klamotten entsorgen. „Die Außenwand ist nass. Wir müssen alle zwei Tage den Schimmel entfernen“, sagt L. In der Wohnung sei es zudem feucht und kalt. Luisa P.: „Die Fenster sind undicht. Egal wie viel wir heizen, es wird nicht warm.“
Alle Versuche, die Verwaltung dazu zu bewegen, die Fenster abzudichten und die feuchte Wand zu sanieren, sind bisher gescheitert. Jetzt mindert das Paar die Miete und hat den Mieterschutzverein eingeschaltet. Das hat auch ihre Nachbarin Stephanie Holzkamp getan. Sie zog im Oktober 2013 in die ebenfalls frisch renovierte Wohnung im Erdgeschoss. Nach nur sechs Wochen schickte sie ihre Schlüssel zusammen mit der fristlosen Kündigung an die Verwaltung. Holzkamp: „Hier kann man nicht wohnen. Die Wände sind verschimmelt, und in der Luft sind so viele Sporen, dass frische Äpfel nach zwei Tagen von einer Pelzschicht bewachsen sind.“
Sabrina Jörgensen lebt mit ihrem Sohn Jason (3) schon seit Juni 2012 im dritten Stock des Hauses. Den Pilz entdeckte sie beim Renovieren nach dem Einzug. „Im Kinderzimmer war unter der Tapete alles schwarz“, berichtet sie. Sofort informierte sie die Verwaltung. Die schickte Maler, die alles entfernten und die Wand neu tapezierten. Viel gebracht hätte es nicht. „Der Schimmel kommt immer wieder durch. Mein Kind kann nicht mehr in seinem Zimmer schlafen oder spielen“, klagt Jörgensen. Irgendwann hätte der Junge angefangen zu husten, habe schlecht Luft bekommen. „Er hat Asthma vom Schimmel“, ist sich die junge Mutter sicher. „Dieses Haus macht uns krank!“ Das Gutachten einer Kinderärztin schickte Jörgensen an die Verwaltung – passiert sei dennoch nichts, berichtet sie. Schließlich nahm sich Jörgensen eine Anwältin und ging vor Gericht. Jetzt soll ein Gutachter feststellen, ob es für den Schimmel eine bauliche Ursache gibt. Trifft das zu, kann sie ihren Vermieter auf Instandsetzung verklagen. In der Wohnung will Jörgensen aber auf keinen Fall bleiben. „Wir ziehen zum Mai aus“, sagt sie.


Vermieter will feuchte Außenwand dämmen:
Das Mietshaus mit zwölf Wohnungen im Niedergeorgswerder Deich 32 gehört Dorothee Kuhlencordt aus Himmelpforten und wird von der Ursula Eckelmann oHG betreut, einem Familienunternehmen mit Sitz in Bahrenfeld, das seit 1964 Immobilien in Hamburg verwaltet, verkauft oder vermietet. Dem Wochenblatt gegenüber teilt der Verwalter mit, dass am Gebäude teilweise ein Wärmedämmverbundsystem angebracht werden soll, um die Feuchtigkeitsprobleme zu beseitigen. „Die Ausschreibungen hierzu sind abgeschlossen, und der Vermieter wird kurzfristig eine Entscheidung treffen. Da allerdings mindestens 60.000 Euro investiert werden müssen, ist eine Entscheidung innerhalb von wenigen Tagen selbstverständlich nicht möglich. Des Weiteren können die Arbeiten bei der derzeitigen Witterung nicht ausgeführt werden“, so Michelle Temps von Ursula Eckelmann oHG. Zu konkreten Fragen des Wochenblatts will man sich nicht äußern.


Das sagt der Bezirk:
Die Wohnungspflege des Bezirks Mitte hat im März 2012 auf Anzeige eines Mieters die Feuchtigkeit in einer Außenwand gemessen. „Da in die Wohnung keine Außenfeuchte eindrang, wurde nichts weiter veranlasst“, sagt Sprecher Norman Cordes. Angesichts der neuen Schimmelfälle empfiehlt er den Mietern, sich erneut bei der der Wohnungspflege zu melden.
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