Dieser Stadtteil ist vermüllt!

Thomas Wiechman ist zwar sehbebehindert, doch schaut er genau hin, was auf der Elbinsel vor sich geht. Trotz der Zerstörung eines Kleinods für einen Parkplatz lautet sein positives Faszit zur regen Bautätigkeit: „Dadurch kann Wilhelmsburg nur gewinnen". Foto: sk

Aus der Reihe: Wilhelmsburger erzählen, wie es sich hier leben lässt

von Steffen Kozieraz

Auf seinem Nachhauseweg bleibt Thomas Wiechmann einen Moment stehen und schaut auf einen staubenden Schutthaufen an der Veringstraße. „Heute morgen stand da noch ein Haus,“ sagt er. Wie rasant sich dieser Stadtteil verändert, überrascht den 49-Jährigen immer wieder.
Die derzeitige Entwicklung findet der gebürtige Wilhelmsburger, der 2008 aus Neugraben wieder zurück zog, spannend und meint: „Wilhelmsburg lag 20 Jahre im Dornröschenschlaf. Durch die Bautätigkeiten im Zuge der Ausstellungen kann der Stadtteil nur gewinnen.“ So sieht er es positiv, dass die Reichsstraße an die Bahnstrecke verlegt wird: „Dann zerschneidet nur noch eine Trasse den Stadtteil, und er kann dadurch zusammenwachsen.“
Doch Wiechmann, selbst im ländlichen Osten der Elbinsel aufgewachsen, entdeckt auch Schattenseiten: „Auf der einen Seite wird viel Geld für die Natur ausgegeben und auf der anderen Seite werden schützenswerte Naturoasen plattgemacht – so wie das Kleinod an der Dratelnstraße, wo sie nun einen Parkplatz für die Gartenschau bauen,“ empört sich der Naturliebhaber. Als begeisterter Tandemfahrer cruist er kreuz und quer über die Elbinsel und – obwohl sehbehindert – schaut er genau hin, was hier passiert. „Ich finde es super, dass am Siedenfelder Weg die Kirchdorfer Wiesen renaturiert werden. Anstatt dort alles zuzubauen, wird dort der Wasserspiegel angehoben, Vögel siedeln sich an und wir bekommen ein schönes Naherholungsgebiet dazu,“ freut sich Wiechmann.
Im Gegensatz dazu prangert er an, was nahezu alle seine Mitbürger in ihrem Stadtteil nervt: den Müll. „Dieser Stadtteil ist vermüllt! Weil so viele einfach alles fallenlassen, wo sie gehen oder stehen,“ entfährt es dem sonst ruhigen Mann etwas lauter. Doch was solle er sich aufregen: An der Einstellung der Müllverursacher werde sich so schnell nichts ändern, glaubt der grundsätzliche optimistisch denkende Wilhelmsburger und zieht ein versöhnliches Resümee über seine alte und neue Heimat: „Es gibt viele schöne Orte auf der Welt. Doch ich bin froh, hier zu leben, weil ich mit diesem Stadtteil verwachsen bin“.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
24
harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 18.05.2012 | 17:04  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.