Die Wilhelmsburger Seeadler schützen

Seeadler im Heuckenlock: Deren Schutz wird zur politischen Frage. Dieses Foto ist nicht im Naturschutzgebiet entstanden. Foto: oliver krone

Auf der Elbinsel gibt es ein Seeadler-Pärchen –
dessen Sicherheit ist durch den „Adler-Tourismus“ bedroht

Von Andreas Tsilis.
Wäre Wilhelmsburgs Wappentier nicht der Löwe, sondern der Seeadler, wäre deren Schutz im Heuckenlock wohl nicht zum Politikum geworden. Seit 2012 lebt ein Pärchen des größten europäischen Greifvogels auf der Elbinsel – zweimal gab es Nachwuchs. Doch in Sachen Adlerschutz ist auf
Bezirksebene kaum etwas passiert. Nach den Worten des Tierschützers Gerhard Brodowski ist das Wenige wieder eingeschlafen.
Brodowski kämpft wie ein Don Quichotte gegen den wassergestützten „Adler-Tourismus“ und schimpft auf die Behörden-Bürokratie. Nachdem er nun den Wilhelmsburger SPD-Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi einschaltete, kommt wieder Bewegung in das Thema.
Rund um das Naturschutzgebiet sollen „insbesondere wasserseits und auf der Autobahnseite, Naturschutzgebietsschilder so schnell wie möglich aufgestellt werden“. Das geht aus einer parteiübergreifenden Empfehlung des zuständigen Umweltausschusses, gerichtet an den Bezirksamtsleiter, hervor.
Doch taugt ein „Schilderwald“ zum effektiven Vogelschutz? Die Stellungnahmen aus Politik und Verwaltung sind ein Beispiel an sprachlicher Artenvielfalt: Landgestützte Maßnahmen seien effektiv, wasserseitig würden Naturschutzgebietsschilder bestellt, heißt es.
Die Linke wünscht sich mehr Engagement der Verwaltung beim unerlaubten „Gassigehen“ im Heuckenlock. Die Grünen finden, dass die Bürger vor Ort die Situation am besten im Blick haben. „Wenn diese der Ansicht sind, dass die Schilder wirken, sollte man zunächst diesen Ansatz verfolgen“, sagt Laura Pioch.
Und die SPD? Von der Bezirksfraktion gab es trotz mehrfacher Anfragen keine Antwort. Überraschend schweigsam waren auch Hamburgs Naturschutzverbände. Dafür sprach das Wochenblatt mit Dr. Oliver Krone vom Berliner Leibniz-
Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Er meint: Die zu ergreifenden Maßnahmen hingen vom „Nutzungsdruck“ ab, und der sei „in städtischen Randlagen mit wenig Grünflächen sehr hoch.“

Hintergrund
In Hamburg leben eine handvoll freier Seeadler nur in Wilhelmsburg und Finkenwerder. Auch der „Bundesadler“ ist ein Seeadler (Wappentier)
Bestandsgröße in
Deutschland: 580 Paare
Weltweit: 12.000 Brutpaare (Quelle: WWF)
Häufige Todesursache:
(Blei-)Vergiftungen
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