Die Lebensgeister wecken

Obstkundin und -verkäuferin: Jessie (11) „telefoniert" mit Marion (87). Karamo (11, r.) hilft ein bisschen. Foto: cvs

„Konfetti Plus“: Kinder lernen von Senioren und umgekehrt – ein Projekt der Schule Burgweide und dem Seniorenzentrum Kervita

Ch. v. Savigny.
Aus dem Obergeschoss des Bürgerhauses Wilhelmsburg erklingt rhythmisches Klatschen. „Ste-ven" deklamiert ein Zwölfjähriger, während er die Hände im Silbenstakkato ineinanderschlägt. Dann ist seine Nachbarin an der Reihe: „Hei-de-ma-rie" ruft und klatscht. Heidemarie (72) und guckt zur Seite, wo schon der nächste auf seinen Einsatz wartet.
Vorstellungsrunde bei „Konfetti Plus", einem Kooperationsprojekt zwischen den 5. und 6. Klassen der Schule Burgweide und dem Seniorenzentrum Kervita am Inselpark: Einmal wöchentlich treffen sich jeweils acht Senioren und Grundschüler, um gemeinsam zu spielen, zu musizieren und um Spaß zu haben.
Eigentlich ist das namentliche Vorstellen ja überflüssig - schließlich kennen sich die Teilnehmer schon seit Schuljahresbeginn. Aber der rhythmische Einstieg macht ganz einfach Spaß und regt die Lebensgeister an. „Es geht darum, Ängste und Vorurteile abzubauen", erklärt Sonderpädagogin Daniela Heer den Hintergrund des Projekts.
Die Idee dazu stammt von der freischaffenden Theaterpädagogin Katharina Irion, die die Treffen der teils dementen oder schwerhörigen Heimbewohner mit den Schülern anleitet. „Kinder lernen von Senioren, Senioren lernen von Kindern. Das ist schon eine ziemlich gute Kombination", sagt sie.
Jetzt werden Telefonapparate ausgeteilt - die ganz alten, die noch eine Wählscheibe haben. Jessie (11) „telefoniert" mit Marion (87), die früher als Obstverkäuferin gearbeitet hat: „Hast du frisches Obst da?", fragt die Schülerin durch den Hörer. „Ja, sicher", antwortet Marion und wirkt mit einem Mal ganz wach und aufmerksam. Das Verhältnis zwischen den Teilnehmern ist prächtig, teilweise haben sich sogar schon kleine Freundschaften entwickelt.
„Du bist ein lieber Junge, ich freue mich, dass du mich besuchst", sagt Waltraud (83) durch die Spielzeug-Strippe zu Eren (12), um das Gespräch kurz darauf mit „Tschüss, mein Schatz!" zu beenden.
Das Projekt „Konfetti Plus", das vom Hamburger Spendenparlament, vom städtischen Fonds „Kultur bewegt" und von der Stiftung für Demenzkranke finanziert wird, läuft noch bis zu den Sommerferien. Den Abschluss bildet eine gemeinsame Theateraufführung.
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