Die Kirchdorfer Mauer

Mauer in Kirchdorf: Am Dorfanger ist der „Zaun“ etwa zwei Meter hoch. Foto: cvs

Grundstücksbesitzer baut zwei Meter hohen „Zaun“ – Behörden haben nichts dagegen

von Ch. v. Savigny,

Ein Kirchdorfer lässt die Berliner Mauer wieder auferstehen: Dieser Eindruck drängt sich Spaziergängern auf, die in der Straße Dorfanger vorbeikommen. Dort verhindert eine rund zwei Meter hohe Betonwand den Blick auf ein Grundstück. „Darf man so etwas bauen?“, fragte eine verängstigte Anwohnerin beim Wochenblatt nach. Antwort: Man darf – auch wenn es nicht schön aussieht.
Die Betonwand hatte Grundstücksbesitzer und Bewohner Atilla Oktay im vergangenen Sommer in Angriff genommen – weil der Holzzaun zuvor immer vom Wind umgeblasen worden war. Rechtlich sei das alles in Ordnung, sagt Oktay und zeigt eine behördliche Genehmigung. Deshalb will er auch keine blöden Fragen mehr hören. „Ein Nachbar von mir ruft dauernd die Behörden an“, schimpft er. „Ich habe schon genug Ärger.“ Später soll ein Teil der neuen Einfriedung zu Wänden für eine neuen Garage werden – auch das ein Grund für die äußerst stabile Bauweise. „Der Zaun hat 2.500 Euro gekostet, das Geld hat er sich mit mir und einem weiteren Nachbarn geteilt“, erzählt Ellez Barat, der im Nebenhaus wohnt. Offenbar haben nun alle etwas von dem neuen Sicht- und Windschutz. „Er will jedenfalls nicht, dass man bei ihm reinguckt“, sagt Barat.
Beim Bezirksamt ist man selbst erstaunt, dass eine solche Mauer zulässig ist. „Wir hatten zunächst einen negativen Bescheid rausgeschickt“, sagt Sprecher Lars Schmidt-von Koss. Später habe man die Anordnung wieder rückgängig machen müssen. „Es kommt selten vor, dass bei Einfamilienhäusern so hoch gebaut wird. Aber rechtlich gibt es keine Beanstandungen.“
Die Begründung findet sich in der Hamburgischen Bauordnung (HBauO): Zwar ist nach Paragraf 11, Absatz 2, eine Höhenbegrenzung von 1,50 Meter für Einfriedungen vorgeschrieben. „Diese gilt jedoch nur im Bereich von Vorgärten und an öffentlichen Grünflächen“, sagt Volker Dumann, Sprecher der Baubehörde. „Ansonsten kann bis zu zwei Meter hoch und ohne Längenbegrenzung gebaut werden.“ Der entsprechende Gesetzestext ist unter dem Stichwort „Abstandsflächenregelung“ in der HBauO, Paragraf 6, Abschnitt 7, nachzulesen.
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1 Kommentar
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 06.05.2012 | 02:25  
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