Die ganze Welt in einem Bus

Volkskundlerin Kerstin Schaefer hat im Metrobus der Linie 13 viele Stunden verbracht.

Volkskundlerin nutzte Metrobus der Linie 13 als Forschungsobjekt
und hat ein Buch darüber geschrieben

Die „Wilde 13“ hat es ihr angetan: Für ihre Magisterarbeit nahm Volkskunde-Studentin Kerstin Schaefer vor vier Jahren den 13er Bus und seine Fahrgäste unter die Lupe. Inzwischen ist das Studium abgeschlossen, und aus der Uni-Arbeit ist ein Buch entstanden: „Die wilde 13 – Durch Raum und Zeit in Wilhelmsburg“ erscheint in dieser Woche frisch aus der Druckerpresse.
Mit wissenschaftlichem Interesse hat die 33-Jährige untersucht, wie der Bus und sein Publikum die gesellschaftliche Situation in Wilhelmsburg wiederspiegeln: die Aufwertung durch IBA und Gartenschau auf der einen Seite, andererseits die Vertreibung der alten Bewohnerschaft, Yuppisierung, Gentrifizierung. Für ihre Erkenntnisse ist sie viele Stunden lang Bus gefahren, hat zahlreiche Menschen beobachtet und befragt. „Viele Veränderungen werden im Mikrokosmos Bus sichtbar“, weiß sie. Da sitzt der schnöselige Werber mit Laptop neben dem Hartz-IV-Empfänger, ein alter Türke mit Teppich auf der Schulter neben der tätowierten Frau mit Lippenpiercing, die Rentnerin im Kostüm neben der afrikanischen Familie in bunten Gewändern.
Der 13er Bus durchquert die Elbinsel von Norden nach Süden und zeigt so einen perfekten Querschnitt der Bewohner. Schaefer: „So viele extreme Gegensätze wie hier trifft man nirgendwo anders. Das ist schon eine wilde Mischung im Bus!“
Während ihrer Fahrten hat sie kuriose Dinge erlebt. Sie erinnert sich etwa an einen Mann, der eine mit rohem Fleisch gefüllte Tasche im Mittelgang abgestellte oder an den Busfahrer, der mal kurz beim Bäcker anhielt, um ein Fladenbrot zu kaufen. „Im Bus spielen sich irre Geschichten ab.“
Die Idee, aus der Magisterarbeit ein Buch zu machen, kam ihr bereits während des Studiums. Schaefer: „Ich fand das Thema zu spannend, um es in der Unibibliothek einstauben zu lassen.“ Unterstützung gabs von der Wilhelmsburger Geschichtswerkstatt, die sich um Stadtteilkulturförderung bemühte, sowie von einer professionellen Fotografin und einer Layouterin. Ihr nächstes Projekt ist auch schon geplant: Im Herbst beginnen die Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm. Thema: Die wilde 13, was sonst!?

Buchpremiere auf dem Stübenplatz
Das Buch „Die wilde 13 – Durch Raum und Zeit in Wilhelmsburg“ (ISBN 978-3-00-037882-9, zwölf Euro) wird am Sonntag, 2. September, auf dem Stübenplatz vorgestellt. Ab 16 Uhr: Lesung mit Kerstin Schaefer, Musik mit RJ Schlagseite und Kaffee und Kuchen vom interkulturellen Garten.
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