Die Entdeckung der Langsamkeit

Dokumentarfotograf mit Faible für Langzeitbelichtungen: Janusz Beck (30).

Fotograf Janusz Beck (30) macht stimmungsvolle Langzeitaufnahmen

Nachts ist die Stimmung am besten“, sagt Janusz Beck (30). „Diese Mischung aus flauem Restlicht und künstlicher Beleuchtung ergibt eine ganz spezielle Atmosphäre.“ Bis zu vier Stunden zwischen Sonnenuntergang und -aufgang ist der Wilhelmsburger mit dem Fahrrad auf der Elbinsel unterwegs, um seine ganz persönlichen Eindrücke mit dem Objektiv einzufangen. Während andere Fotografen pro Termin vielleicht 200 Bilder schießen, macht Beck genau – zwölf. So viele Aufnahmen gibt der Rollfilm seiner analogen Mittelformatkamera her – nicht mehr und nicht weniger.
Aus Erfahrung weiß der junge Mann, der sich als „künstlerischer Dokumentarfotograf“ bezeichnet, wie lange er belichten muss. Meist sind es zwischen vier und zehn Minuten bei Blende elf. Innerhalb eines Jahres ist auf diese Weise die Serie „Hafenrand“ entstanden – 16 Aufnahmen, die die Elbinsel in einer ganz bestimmten Stimmung zeigen: neblig, still, menschenleer und auch ein bisschen unwirklich – so, wie man sie sonst nicht zu sehen bekommt.
Zu Becks bevorzugten Motiven gehören der Hafen, alte Industriebauten und in die Jahre gekommene Wohnhäuser: die Harburger Chaussee im Schein greller Straßenlaternen, Transportschuten im Nebel unterhalb der Köhlbrandbrücke, übereinander gestapelte Schiffscontainer, die vielleicht auf ihre Abholung warten. Wer will, kann sich seinen eigenen Reim auf die Aufnahmen machen. Janusz Beck möchte niemandem etwas aufzwingen. „Aber Geschichten erzählen kann man auch gut, ohne den Menschen in den Vordergrund zu stellen“, sagt er.
Zu seinem 15. oder 16. Geburtstag – das weiß er nicht mehr so genau – bekam Beck seine erste Kamera geschenkt, eine analoge Spiegelreflexkamera. Anschließend wollte er den Apparat kaum noch aus der Hand geben. „Ich habe alles fotografiert, was ich interessant fand.“ Zurzeit studiert Beck Kommunikationsdesign im achten Semester an der Hochschule für angewandte Wissenschaften. Der Ex-Altonaer lebt gerne in Wilhelmsburg: „Hier ist alles im Umbruch, das finde ich spannend. Und man wohnt sehr viel güns-tiger als nördlich der Elbe.“
Janusz Beck im Internet: www.januszbeck.com
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