Die „Dollen Deerns“ vom Erlerring

Lea Spitzenberg (l.) und Keziban Ünsdal gehören zum Leitungsteam des Mädchentreffs Kirchdorf-Süd. Foto: cvs

30 Jahre: Mädchentreff Kirchdorf-Süd feiert Geburtstag

Von Ch. v. Savigny.
Wer sich in den Erdgeschoss-räumen am Erlerring 9 nicht auskennt, kann sich leicht verirren. Verwinkelte Flure, dann plötzlich ein Zimmer und um die Ecke noch eines, das man dort gar nicht erwartet hätte. Früher, erklärt Erzieherin Keziban Ünsal, sei das hier mal eine Sauna gewesen. Schwer vorstellbar: eine Sauna nur für die Bewohner der Siedlung. Aber so muss es wohl gewesen sein. Heute ist hier der Mädchentreff Kirchdorf-Süd zuhause. Seit nunmehr 30 Jahren bietet die vom Verein „Dolle Deerns“ getragene Einrichtung Mädchen und jungen Frauen im Alter von zehn bis 27 Jahren einen Nachmittagstreffpunkt an. Am Donnerstag, 1. Juni, wird Geburtstag gefeiert.
Jeden Wochentag ab 14 Uhr können die Besucherinnen im Mädchentreff vorbeikommen. Meist wird erstmal zusammen gekocht und gegessen. Anschließend kann man sich von Lehramtsstudenten bei den Hausaufgaben helfen lassen oder in der Werkstatt, die mit Näh- und Bohrmaschine sowie allerlei Bastelkram ausgestattet ist, kreativ werden. Weiterhin gibt es einen PC-Raum, wo die Mädchen im Internet surfen oder auch Bewerbungen schreiben und ausdrucken können. Im Bewegungsraum wird Freitagabends HipHop getanzt, und der Chillraum mit seinem großen, gemütlichen Sofa ist einfach nur zum Ausruhen da. Neben dem dem Werktagsangebot gibt es ein Wochenend- und ein Ferienprogramm.
Als am 1. Juli 1987 der Mädchentreff Kirchdorf-Süd seine Pforten öffnete, war es der erste seiner Art in ganz Hamburg. Sechs weitere Einrichtungen der „Dollen Deerns“ sind inzwischen in der Hansestadt entstanden. Nach wie vor sei die Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen sehr wichtig, sagt Psychologin Lea Spitzenberg. „Es gibt viele Einrichtungen, in die sie sich nicht hineintrauen, weil sie von Jungs dominiert werden, etwa Jugendzentren“, so Spitzenberg. Sie bräuchten einen Rückzugsraum. „Mädchen haben es trotz besserer Abschlüsse schwerer, in Ausbildung zu kommen oder einen Job zu finden.“
Rund 50 Besucherinnen hat die Einrichtung, die vom Bezirksamt gefördert wird, pro Tag. Seit 2015 kümmert sich der Mädchentreff verstärkt um junge weibliche Flüchtlinge. Zu den kulturellen Highlights zählt die jährliche Treppenhauslesung, bei der die Teilnehmerinnen eigene Geschichten vortragen.

Nur für Frauen
„30 Jahre Mädchentreff Kirchdorf-Süd“ wird gefeiert am Donnerstag, 1. Juni, ab 14 Uhr. Wo? Im Erlerring 9.
Auf dem Feierprogramm stehen unter anderem ein „Treppenhaus-Theaterstück“ und eine Zeitreise durch die letzten 30 Jahre. Außerdem wollen sich viele Ehemalige den Besuchern vorstellen.
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