„Die Behörde verpasst uns einen Maulkorb“

Hauptaufgabe des Deichverbands sei es, ein Gefahrenbewusstsein für Sturmfluten und Hochwasser bei den Bewohnern der Elbinsel aufzubauen, sagt Hennig Cordes. „Wenn wir nicht mehr Öffentlichkeitsarbeit machen können, wozu braucht man den Deichverband dann noch?“, fragt der Deichvogt. (Foto: pr)

Deichverband Wilhelmsburg bekommt kein Geld mehr für Öffentlichkeitsarbeit

Bei Sturmflut rücken die 70 Deichwarte des Deichverbands Wilhelmsburg aus. Sie stehen rund um die Uhr an den Deichen, die die Elbinsel umgeben, und kontrollieren, ob diese den Wassermassen standhalten. Für ihre Arbeit erhalten die Ehrenamtlichen eine Aufwandsentschädigung und einen Ausgleich für Verdienstausfälle. Dafür bekommt der Verband jährlich 25.000 Euro von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU). Weitere 7.000 Euro gab es jährlich für Öffentlichkeitsarbeit dazu – doch diese Mittel hat die BSU dem Verband gestrichen.
Dabei sei die Öffentlichkeitsarbeit seine zentrale Aufgabe, so Deichvogt Hennig Cordes. „Wir leben auf einer Insel. Wir müssen die Menschen darüber informieren, was das bedeutet und wie wichtig Hochwasserschutz für uns ist“, sagt er. Das regelt auch die Satzung eindeutig: „Dem Verband obliegt es, das Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung für Sturmfluten und Hochwasser wach zu halten.“
Um dem nachzukommen hatte der Deichverband beschlossen, eine Wassersäule am Bahnhof Wilhelmsburg aufzustellen, an der man den aktuellen Pegelstand der Elbe ablesen kann. Cordes: „So sehen die Leute, dass die Insel ohne Deiche zwei Mal am Tag überflutet werden würde.“ Ein Prototyp sei bereits getestet, doch ohne Geld von der BSU liege das Projekt auf Eis. Zudem kann der Verband Rechnungen aus dem Vorjahr, die jetzt fällig würden, nicht mehr begleichen. „Wir sind praktisch zahlungsunfähig“, so der Deichvogt.
Er sieht noch weitere Folgen durch die Kürzung der Mittel. Denn eine weitere Aufgabe seines Verbands sei es, sich zu allem was den Hochwasserschutz in Wilhelmsburg angehe zu äußern – auch kritisch. Deshalb klagt Cordes an: „Die Behörde verpasst uns einen Maulkorb, indem sie uns die Mittel für Öffentlichkeitsarbeit streicht.“
Bei der BSU sieht man die Sache ganz anders. „Der Deichverband bekommt im Jahr 25.000 Euro zur Wahrnehmung seiner ,Regelaufgaben’. Dieses Geld ist überwiesen. Die 7.000 Euro darüber hinaus möchte der Deichverband für ein Sonderprojekt verwenden, das für uns keine dieser Aufgaben darstellt. Von Kürzung kann also keine Rede sein“, sagt BSU-Sprecher Volker Dumann.
Zwischenzeitlich hat sich der Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel eingeschaltet. Die Ortspolitiker fordern, dass Bezirksamtsleiter Andy Grote die BSU zum Umlenken bewegt. „Anscheinend ist der Behörde, die nunmehr ihren Sitz auf der Elbinsel hat, nicht bewusst, wie wichtig dieser Verband für die Sicherheit der Elbinsel ist“, sagt der Wilhelmsburger CDU-Abgeordnete Jörn Frommann.
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