Der Steinmetz-Bundestrainer von der Elbinsel

Aaron Knust (r.) mit Richard Crivellaro bei der WM in Abu Dhabi. Foto: pr

Aaron Knust aus Wilhelmsburg trainierte den deutschen WM-Starter

Von Gaby Pöpleu, Wilhelmsburg.

„Er hat auf jeden Fall das Potenzial zum Champion“, schwärmt Aaron Knust. Der Steinmetz- und Steinbildhauermeister, seit Januar Inhaber der Wilhelmsburger Traditionsfirma Kalläwe am König-Georg Deich 12, ist noch immer begeistert von seinem Schützling Richard Crivellaro aus dem thüringischen Küllstedt, den er für die Berufsweltmeisterschaft „Worldskills“ im Oktober in Abu Dhabi trainiert hatte. „Aber leider war Richard an den ersten beiden Tagen sehr nervös.“ Das konnte er dann später nicht mehr aufholen, bedauert Knust. So reichte es für Crivellaro am Ende nur für einen zehnten Platz.
Doch auch der ist durchaus respektabel: Immerhin gilt der Nachwuchssteinmetz damit als der weltweit zehntbeste seiner Zunft. Und das mit erst 22 Jahren. „Sein recht junges Alter war sicher auch eine Ursache für die Nervosität“, meint Knust, der seit 2017 Steinmetz-Bundestrainer ist.
Tatsächlich kennt kaum jemand die Berufsweltmeisterschaft (siehe Infotext). „Das funktioniert ähnlich wie Olympia“, erklärt Knust. „Eine guter Ansporn für den Nachwuchs. Da können junge Leute auch gut ihren beruflichen Horizont erweitern.“ Das war es, was ihm an Crivellaro gleich gut gefallen hat. „Richard hat Ehrgeiz und will weiterkommen.“ Die Lehre hat er nicht im elterlichen, sondern in einem anderen Betrieb gemacht, ging dann erst einmal nach Italien, möchte jetzt noch ein paar Jahre in einem Restaurationsbetrieb arbeiten, bevor er in die heimatliche Werkstatt zurückkehrt.
Jetzt steht schon das Training für die Europameisterschaft „Euroskills“ im September 2018 im ungarischen Budapest an: Einmal monatlich tainiert Knust ein verlängertes Wochenende den besten deutschen Steinmetz 2016, Aaron Weisser aus Schramberg im Schwarzwald. „Und zu Hause muss er in seiner Freizeit weiter üben, sonst schafft man das nicht“, sagt Knust, der auch die einwöchigen Betriebsferien komplett dem Nachwuchstraining widmet. „Da muss man seinen Beruf schon lieben.“ Denn: Reisekosten für sich und den Teilnehmer musste Knust bisher selbst zahlen, dazu kommen Werkstücke und viel unbezahlte Arbeitszeit. Weil der Berufsverband wenig Interesse hat, sucht Knust jetzt selbst Sponsoren für die nächsten Wettkämpfe, „sonst wird man arm dabei.“
Und die nächste Weltmeisterschaft in Kasan in der russischen Republik Tartarstan hat Knust auch schon im Blick. Im kommenden Jahr will er außerdem selbst ausbilden. „Wenn mann wirklich guten Nachwuchs will, muss man eben auch Verantwortung übernehmern“, sagt er.

WM der Berufe
Die Weltmeisterschaft der Berufe ist ähnlich wie im Sport organisiert: Die besten aus den teilnehmenden Ländern – mindestens zwölf Länder je Beruf – qualifizieren sich über Wettbewerbe in den Staaten. Bei den Steinmetzen treten außer Deutschland Japan, Korea, Österreich, die Schweiz, Frankreich, die Niederlande, Italien, Finnland, Brasilien, Großbritannien und Russland an. Derzeit messen sich Nachwuchskräfte aus 51 Berufen weltweit. Aus Deutschland nahmen 2017 42 junge Frauen und Männer teil, errangen 24 Auszeichnungen für das „Team Germany“. Die Teilnehmer dürfen höchstens 22 Jahre alt sein. Vier Tage lang zeigen sie dann, was sie können. Die Sieger werden in einer großen Abschlussfeier geehrt. Weltmeisterschaften der Berufe finden alle zwei Jahre statt, immer im Wechsel mit Europameisterschaften.

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