„Der Mädchentreff ist unser Zuhause“

Sie haben Plakate gemalt und sich für ihren Mädchentreff eingesetzt: Merve (14), Dilan (17), Susan (22), Destina (13) und Aynur (17, v.l.)
 
Ihren Job ist Annette Backa nachdem die Kündigungsfrist Ende Mai ausläuft los. Jetzt hofft sie, dass der neue Träger des Mädchentreffs sie wieder einstellt.

Harburger Mädchen kämpfen für ihren Treff und seine Leiterin

Ohne den Mädchentreff wäre ihr Leben ganz anders verlaufen, ist sich Aynur sicher. „Ich hab Annette viel zu verdanken. Ohne sie wäre ich nie in die Oberstufe gekommen“, sagt die 17-Jährige. Auch Dilan und Susann sind sich einig: „Der Mädchentreff ist unser Zuhause und Annette ist wie eine zweite Mutter für uns.“ Doch jetzt ist dieses Zuhause gefährdet: Weil das Frauenkulturhaus, der Träger der Einrichtung, insolvent ist, muss Annette Backa, seit 19 Jahren Leiterin der Einrichtung, gehen. Das Insolvenzgeld sichert ihr Gehalt nur noch für Februar. Dann soll eine Honorarkraft die Mädchen betreuen, bis das Bezirksamt Harburg einen neuer Träger gefunden hat.
„Wir wollen, dass Annette bleibt“, fordert Susan. „Sie kennt hier jedes Mädchen und alle vertrauen ihr.“ Die 22-Jährige kam schon mit sechs Jahren in den Treff. Seit kurzem hilft die angehende Erzieherin als Honorarkraft mit. Für ihre „Ersatzmama“ und den Treff kämpft sie gemeinsam mit rund 25 der 60 Mädchen, die sich hier jede Woche treffen, um gemeinsam zu kochen, zu tanzen und ihre Hausaufgaben zu machen. Sie haben 300 Unterschriften gesammelt und dem Jugendamt überreicht. Vergangenen Mittwoch verschafften sich die Mädchen mit Plakaten bewaffnet im Jugendhilfeausschuss Gehör. Von den Politikern sind sie enttäuscht. „Die gehen überhaupt nicht auf uns ein. Es heißt immer nur, das Verfahren ist so, die Gesetze sind so....“, sagt Dilan enttäuscht. Und Aynur ergänzt: „Sie wollen, dass wir uns integrieren, und dann nehmen sie uns unsere Bezugsperson weg. Jetzt wird alles kaputt gemacht, was Annette aufgebaut hat.“
Vor Ort spitzt sich die Situation weiter zu: „Wir haben noch nicht mal mehr Geld für Klopapier“, sagt Susan. Auch die Reinigung der Räume könne nicht mehr finanziert werden. Fürs Kochen müsse sie Lebensmittel von der Harburger Tafel holen – was sie dort nicht bekommt, kauft sie von ihrem eigenen Geld, erzählt Susan.
Ihr Protest scheint jetzt erste Wirkung zu zeigen: „Das Bezirksamt will mein Gehalt plötzlich bis Ende Mai übernehmen. Das habe ich nur den Mädchen zu verdanken“, freut sich Annette Backa. Zudem sei geplant, dass zwei Mädchen in dem Gremium sitzen, das über einen neuen Träger entscheidet.


Das sagt das Bezirksamt:
Bezirksamtsprecherin Bettina Maak will nicht bestätigen, dass Annette Backas Gehalt bis Mai übernommen wird. „Zurzeit sind diverse Themen in der Prüfung, für die eine abschließende Entscheidung natürlich noch nicht getroffen worden ist. Dies gilt auch hinsichtlich arbeitsrechtlicher Rahmenbedingungen, die juristisch einwandfrei und rechtssicher für alle Beteiligten geklärt werden müssen“, sagt sie. Eines steht jedoch fest: Damit so schnell wie möglich ein neuer Träger gefunden wird, will das Bezirksamt die Ausschreibung noch im Februar veröffentlichen. Außerdem stellt Maak klar: „Die laufenden Kosten für die Honorarkräfte werden aus Mitteln des Bezirksamtes über den Treuhänder bezahlt. Hierzu zählen auch Kosten für Lebensmittel für Kochkurse und Putzmittel.“ AS


Wie gehts weiter im BIFF?
Auch in der Beratungsstelle Biff, ebenfalls unter dem Dach des Frauenkulturhauses, läuft zurzeit ein Notbetrieb mit einer Honorarkraft. „Natürlich sind wir froh, dass es so etwas gibt. Aber den Frauen in Krisensituationen, die auf professionelle Unterstützung und Kontinuität angewiesen sind, hilft das wenig“, sagt Jutta Landwehr, die die Beratungsstelle mit einer Kollegin geleitet hat. Sie hofft, dass die Biff Beratungsstelle Winterhude die Trägerschaft für das Harburger Biff übernehmen kann. Landwehr: „Das wäre ein Traum. Dann ist auch die Qualität der Beratung gesichert.“
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