Der Kaiser plante die Jolle

Zwischen Spanten und Maschinen: Profilklässler der Stadtteilschule und ihre Mentoren bauen im Hafenmuseum Hamburg eine Jolle nach kaiserlichen Plänen. Foto: Stadtteilschule Wilhelmsburg

Schüler der Stadtteilschule Wilhelmsburg bauen
im Unterricht ein Segelschiff nach kaiserlichen Plänen

Von Andreas Tsilis.
Dass neben Mathe, Deutsch und Sport auch Schiffbau auf dem Stundenplan einer allgemeinbildenden Schule steht, ist eher ungewöhnlich – und genau das ist seit August 2014 in der Stadtteilschule Wilhelmsburg der Fall! Zusammen mit dem Hafenmuseum Hamburg und fünf ehrenamtlichen Ingenieuren, Bootsbauern und Festmachern bauen Schüler der Profilklasse 8 H eine Jolle – nach Plänen aus der Kaiserzeit des frühen 20. Jahrhunderts.
Was noch vor rund 100 Jahren Standard war, soll dabei auch heute gelten: Gebaut wird auf einem sogenannten „Schnürboden“, auf dem die Umrisse der Bauteile 1:1 aufgezeichnet werden. „Das Verfahren stelle hohe Anforderungen an das räumliche Denken“, sagt Klassenlehrer Thomas Maubach. „Mancher Schüler hatte Probleme, dreidimensional zu denken“, erinnert er sich. Die anfänglichen Schwierigkeiten haben die 14- bis 16 -Jährigen gemeistert. Mittlerweile sind die jungen Bootsbauer alte Hasen im Umgang mit Säge, Feile und Schleifmaschine.

Das Boot soll im Jahr
2017 vom Stapel laufen

Bei Natyra Fazliu, einem von sieben Mädchen, hilft der Bootsbau auch beim Berechnen und Lösen von Formeln. „Die Arbeit mit dem Transparentpapier bringt mir was im Geometrieunterricht“, sagt sie erleichtert. Vollends zufrieden ist auch Maubach: Seine Schüler und Schülerinnen seien deutlich konzentrierter und ausdauernder bei der Sache als früher. „Gelerntes wird nicht mehr vergessen“, freut sich der Klassenlehrer.
Bis zum Sommer wurden nun die Spanten und Bodenwrangen gesetzt. Maubach hofft, dass im Frühjahr 2017 das Boot vom Stapel läuft. Bis dahin wird wöchentlich fünf Stunden am Boot gewerkelt. „Wir liegen gut in der Zeit“, so Lehrer Maubach.  „Wenigstens einen Probelauf soll es geben.“
Bis dahin lässt sich der Bau-fortschritt im Hafenmuseum beobachten, zwischen mausgrauem VW-Brezelkäfer, historischen Schiffen und abgewrackten, ölverschmierten Maschinen. Unterstützt wird das Projekt durch „Hafenkultur e.V.“ und „pro iuventute“ (Stiftung für Kinder- und Jugendförderung).
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