Der größte und älteste Weihnachtswunsch: Frieden auf Erden

Aber wo fängt er an, der Frieden auf Erden?


Es war einmal .... (vielleicht in eurer Nachbarschaft?)

Es ist Heiligabend. Gerade läutet es von Kirchturm 12-mal. Meta steht in Gedanken versunken am Fenster. Ein paar kleine Schneeflöckchen tanzen im Wind bevor sie auf die Erde fallen und schmelzen. In den letzten Tagen war es so warm, da hat niemand mehr mit Schnee zu Weihnachten gerechnet.

"Weihnachten" seufzt Meta. "Wieder einmal!" Seit Meta's Tochter nach Nürnberg gezogen ist, ihr Mann hat dort Arbeit gefunden, graut Meta vor den Feiertagen. Früher, ja, da war es ein schönes Fest. Tochter Elke kam mit der Familie zu ihr und man saß gemeinsam im schön geschmückten Wohnzimmer. Seit drei Jahren muss Meta nun allein die Feiertage in Hamburg verbringen. Sie lächelt, als sie sich vorstellt, wie die drei Enkel jetzt schon außer Rand und Band sein werden und alle zwei Minuten die Mutti fragen, wann denn endlich das Christkind in Gestalt des Weihnachtsmannes komme...Ihr Blick fällt auf das Paket auf dem Tisch. Der Postbote hat es gerade abgegeben. "Alle Jahre wieder….", denkt Meta und summt das Weihnachtslied, welches sie schon früher mit ihren Eltern gesungen hatte. Kekse und Glühwein vom Nürnberger Christkindlmarkt, lieb verpackt mit einem kleinen Geschenk und bunten Bildern, die ihr die Enkel malten, werden im Paket sein, wie auch in den vergangenen Jahren.

Meta schaut wieder aus dem Fenster. Sie sieht wie Aische das Haus betritt. Aische und ihr Mann wurden in der Türkei geboren, sind aber schon als Kinder nach Deutschland gekommen. Im letzten Jahr schleppte Aische vor Weihnachten viele bunt verpackte Pakete ins Haus. Heute hat sie nur eine kleine Einkaufstasche in der Hand. "Die arme Frau" denkt Meta. "für sie wird es sicher besonders traurig." Aische war bis zum Frühjahr die direkte Nachbarin von Meta. Aber dann starb erst ihr Mann an einem Herzinfarkt und kurze Zeit später verunglückten ihr Sohn mit Frau und den drei Kindern tödlich. Ein LKW mit übermüdetem Fahrer fuhr auf das Stauende auf und schob den Wagen des Türken unter einen anderen LKW. Die ganze Familie war sofort tot. Aische zog kurz darauf in den 3. Stock in eine kleinere Wohnung, in der sie jetzt zurückgezogen lebt. Meta muss ein wenig überlegen bis ihr einfällt, warum Aische und sie nicht mehr miteinander reden. Früher war der Kontakt recht gut. Die Kinder sind zusammen aufgewachsen und in dieselbe Klasse gegangen. Aische`s Familie hat sich den deutschen Sitten angepasst. Irgendwann gerieten die beiden Frauen in Streit. Ach ja, sie konnten sich nicht einigen, wann wer die Wäsche im Wäschekeller zum Trocknen aufhängen dürfe. "Albern", denkt Meta heute "dabei ist doch genug Platz für beide."

Im Radio läuft eine Weihnachtsandacht. Als der Priester sagt: "Gehet hin in Frieden" springt Meta auf, geht in die Küche und backt einen Kuchen.

Die Kirchturmuhr schlägt zwei Mal, als Meta den Kuchen mit Puderzucker bestreut. „Der Puderzucker auf Christstollen soll die Windeln Jesu widerspiegeln, in denen er in der Grippe Krippe lag“, denkt sie dabei. Kritisch betrachtet sie ihr Werk und ist damit zufrieden. Vorsichtig nimmt die nachdenkliche Frau den Papp-Weihnachtsteller mit dem leckeren Kuchen auf und geht damit in den 3. Stock zu Aische. Diese öffnet auf das Klingeln hin und schaut Meta erstaunt an. Meta nimmt allen Mut zusammen und reicht Aische den lecker duftenden Teller. "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden!“. Aische greift nach dem Kuchen und setzt den Bibelspruch fort: "Die guten Willens sind“. Ich habe die Andacht auch gehört, obwohl ich als Muslimin eigentlich nicht an euren Gott glaube". Sie reicht Meta die Hand. In beider Augen ist ein Strahlen und im Herzen das Gefühl von Frieden. "Entschuldige, Meta, ich muss schnell noch etwas besorgen“. Während Meta langsam die Treppe hinab zu ihrer Wohnung geht, wird sie von Aische überholt, die sich wohl nur schnell einen Mantel übergeworfen hat. So voller Energie war Aische lange nicht mehr.

Meta geht, in ihrer Wohnung angekommen, wieder zum Fenster. Inzwischen fällt noch mehr Schnee, der bereits einen dünnen Mantel über die Erde gebreitet hat. Inzwischen fällt mehr Schnee und hat bereits einen dünnen Mantel über die Erde gebreitet. "Doch noch weiße Weihnachten", denkt Meta und geht zufrieden in die Küche, um sich einen Kaffee aufzubrühen.

Es sind nur wenige Minuten vergangen, als es an der Tür Sturm läutet. Davor steht Aische mit einer Tanne. Ihre Augen funkeln schelmisch aus dem rot gefrorenen Gesicht. "Ich denke, wir sollten den Baum bei dir aufstellen. Deine Wohnung ist größer." Meta flitzt in die Stube und macht schnell einen Platz für den Baum frei. Aische holt ihren Baumschmuck und gemeinsam schmücken sie das gute Stück. Dabei erzählen sie sich Geschichten aus den Zeiten, in denen sie noch die Bäume für ihre Kinder geschmückt haben. Aische weiß viel über die Bräuche in der Türkei zu berichten, nicht nur zu Weihnachten. Beide merken gar nicht, wie die Zeit vergeht. Endlich erstrahlt der Baum in festlichem Glanz. Aische holt den Kuchen wieder herunter und gemeinsam machen sich die beiden Frauen darüber her.

Draußen liegt jetzt eine dicke Schneeschicht. Es ist dunkel geworden und in den Fenstern leuchtet der Weihnachtsschmuck. Es sind kaum Autos auf den Straßen unterwegs. Die Kinder sitzen alle mit ihren Familien zusammen. Es ist still. Alles sieht friedlich und feierlich aus.

Als im Radio „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklingt, fassen sich die beiden Frauen, die aus so unterschiedlichen Lebensformen und Religionen kommen, bei den Händen und singen mit. Beide haben Tränen in den Augen und denken an ihre Familien. Meta öffnet das Paket von ihren Kindern, erwärmt den Glühwein und gemeinsam verbringen sie den Heiligen Abend am gemeinsam geschmückten Weihnachtsbaum.

Es ist spät als sie sich verabschieden. Aber nicht, ohne sich für den anderen Tag zu verabreden. Erst wollen sie zusammen einen Spaziergang zum Friedhof machen, um ihre Lieben dort zu besuchen und dann gemeinsam bei Aische zu Mittag essen. Beide werden sie ein besinnliches, aber nicht einsames Fest verbringen. Egal ob Weihnachten oder Noel - Hauptsache Frieden im Herzen und den Willen, aufeinander zuzugehen! (Lejla Berger)
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.