Der Deichwacht fehlt Nachwuchs

Uwe Sommer (75) und Peter Kähler (63) vor den gestapelten Sandsäcken, beide haben 1962 die Sturmflutkatastrophe erlebt, der ältere während seiner Pflichtzeit als Soldat, der jüngere als neunjähriges Kind. Foto: AD

Zehn ehrenamtliche Helfer gesucht

Von Angela Dietz.
Für die einen sind Deiche zum Spazierengehen da, für andere zum Chillen. Vorrangig schützen sie vor Sturmfluten. Was für eine Aufgabe hat dabei die Deichwacht?
Peter Kähler und Uwe Sommer gehören beide zur Wilhelmsburger Deichwacht. Sie ist ehrenamtlich organisiert. „Im Katastrophenfall ist hier der Meldekopf, quasi die Zentrale“, erläutert der 75-jährige Sommer. „Bei Wasserstandsstufe 2 werden wir sechs Stunden vorher gerufen.“ Vom letzten Ernstfall erzählt der 63-jährige Kähler: „Am 27. Dezember 2016 hatten wir zuletzt Rufbereitschaft.“ Das kommt zum Glück nicht oft vor.
Am König-Georg-Weg, fünf Minuten zu Fuß von der Süderelbe und dem Finkenrieker Hauptdeich entfernt, haben die Mitglieder ihre Unterkunft für 50 Helfer. In der Halle nebenan lagert der „Landesbetrieb Straßen Brücken und Gewässer“ (LSBG) die Sandsäcke für die Deichverteidigung. Einmal im Monat trifft sich die Deichwacht zum Arbeiten, manchmal zusätzlich an den Wochenenden.
Zum harten Kern gehören fünf bis zehn Leute, die Gebäude und Gelände in Schuss halten. „Insgesamt sind wir rund 40 Leute“, sagt Kähler, „34 Männer und sechs Frauen.“ Grill-feste sorgen für Spaß und Zusammenhalt.
Bei den jährlichen, größeren Übungen gemeinsam mit anderen Verbänden, sind 35 Leute dabei. Es fehlt allerdings an Nachwuchs. „Unser Durchschnittsalter ist zu hoch“, stellt Uwe Sommer fest. „Zehn junge Leute wären gut!“
Für die Deichwacht zuständig ist das Bezirksamt Mitte. Die jährliche Deichschau wiederum führen die Mitarbeiter des LSBG durch. Im Katastrophenfall sind weitere Hilfsorganisationen und Verbände beteiligt, wie das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr und die Bundeswehr.
Bei der letzten jährlichen Übung bekam die Deichwacht in Wilhelmsburg keinen Bus gestellt, angeblich aus Kostengründen. Das schwere Stromaggregat der Beleuchtungsanlage wollten die Männer und Frauen nicht schleppen. „Deshalb standen wir mit Taschenlampen im Dunkeln am Deich“, sagt Sommer mit angesäuerter Miene.
Gar nicht so einfach, die unterschiedlichen Kompetenzen zu verstehen. So ist es kein Wunder, dass die beiden ehrenamtlichen Deichschützer über-einstimmend sagen: „Die Kommunikation zwischen den ‘Abteilungen’ ist „nicht so gut“.


Sturmflutschutz
Die Umweltbehörde (BUE) ist für die öffentlichen Hochwasserschutzanlagen zuständig. Dazu gehören zum Beispiel Deiche und Flutschutztore. Die BUE beauftragt den Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung (LSBG) mit Planung, Bau und Unterhaltung. In einigen Bereichen ist die Hamburg Port Authority (HPA) für die Hochwasserschutzanlagen zuständig. Neben den öffentlichen Hochwasserschutzanlagen gibt es auch einige private.
Neben dem hauptamtlichen, öffentlichen Hochwasserschutz existiert unter Aufsicht der Bezirke die ehrenamtliche Deichverteidigung.
1963 wurde die Deichwacht gegründet. Ein Jahr nach der Sturmflutkatastrophe, bei der mehr als 300 Menschen ihr Leben verloren, davon über 200 in Wilhelmsburg.
Ab Wasserstandsstufe 2 - wenn der Pegel laut Vorhersage 2,5 Meter über mittlerem Hochwasser erreichen wird - werden die ehrenamtlichen Einsatzkräfte sechs Stunden vorher informiert.

Kontakt: Deichwacht Hamburg-Mitte, Tel 78 98 172 (Uwe Holtmann)
E-Mai:l deichwacht@
hamburg-mitte.de
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