Der Chronist der Elbinsel

Peter Pforr dokumentiert Wilhelmsburgs Geschichte. Ohne seine Arbeit würde vieles in Vergessenheit geraten. Foto: tsilis

Seit 20 Jahren trägt Peter Pforr die
Geschichte Wilhelmsburgs zusammen

Von Andreas Tsilis.
Peter Pforr (53) ist auf der Suche nach dem verschwundenen Wilhelmsburg – seit zwanzig Jahren. Dort, wo kaum einer genau hinschaut, hat er es oft gefunden: Hinter Mauern, auf brachliegenden Grundstücken und auf Flächen, die neu bebaut wurden.
Auf die Idee brachte ihn seine damals fünfjährige Tochter, die wissen wollte, wie Wilhelmsburg früher einmal aussah. Ihr Interesse erlosch schnell, dafür war Pforr Feuer und Flamme für die Geschichte Wilhelmsburgs. Seitdem sammelt der Maschinist alles, was den verlorenen Liebreiz der Elbinsel dokumentiert.

Wilhelmsburger
Vermisstenstelle

Hauptsächlich sind es alte Ansichtskarten, Drucke, Bücher, Werbeschilder, Fotos, die er kauft, ersteigert, leiht oder vermacht bekommt. Vieles gibt er kostenlos an das städtische Museum weiter. „Die Dinge sollen auf der Insel bleiben“, mahnt Pforr, der glaubt, dass ohne solch bürgerliches Engagement „vieles von Wilhelmsburgs Historie unwiederbringlich verloren geht“.
Wie zum Beweis kramt er eines von unzähligen Bildern heraus, das die Moorwerder Mühle zeigt. „Die wenigsten wissen, dass es sie gegeben hat“, bedauert Pforr. Auf dem Foto wird sie für einen kurzen Moment lebendig.
1939 brannte sie ab, an ihrem ehemaligen Standort befinden sich Mehrfamilienhäuser. Vollends aus dem Häuschen war er, als er über einen 97 Jahre alten Mann an Fotos über die Jahrhundertflut von 1962 gelangte. Die einmaligen Aufnahmen schlummerten ihr bisheriges Leben in einem vergessenen Ordner.
Pforr, ein Chronist Wilhelmsburgs, ist heute noch über seine Ausbeute begeistert. „Manche Mitbürger wissen gar nicht, was sie für Schätze Zuhause haben.“ Seit 1998 hat er eine Webseite, auf der sich alles nachlesen lässt. Dort findet sich auch eine „Wilhelmsburger Vermisstenstelle“, bei der jeder kostenlos eine Suchanzeige aufgeben kann. „Viele wollen wissen, was aus Freunden, Verwandten, Schulkameraden oder Nachbarn geworden ist“, sagt Pforr.
Wer Fotos und mehr über das alte Wilhemsburg loswerden möchte, kann sich an Peter Pforr wenden: Tel 789 09 83 (ab 18 Uhr)

❱❱ www.alt-wilhelmsburg.de
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