Denkmalschutzamt zieht die Notbremse

Für den Erhalt der alten Fabrik: die SPDler Klaus Lübke und Gabriele Dobusch auf dem Dach des Hauses Peutestraße 24. Foto: pr

Vorläufiger Schutz für Fabrik auf der Peute – Skepsis vor Ort bleibt

von Ch. v. Savigny

Im Kampf um die alten Fabrikgebäude auf der Peute sind die Abrisskritiker einen entscheidenden Schritt weitergekommen: Das Hamburgische Denkmalschutzamt hat das Ensemble in der Peutestraße 24 bis 34 zumindest vorläufig unter Schutz gestellt. Dies bedeutet, dass die noch stehenden Gebäude vorerst nicht abgerissen werden dürfen. Mit einer endgültigen Entscheidung wird innerhalb der nächsten neun bis 15 Monate gerechnet.
In einer Hauruckaktion hatte die Eigentümerin, die Hamburg Port Authority (HPA), den westlichen Teil des Fabrikgeländes zu Jahresbeginn dem Erdboden gleichgemacht, um Platz für Logistikunternehmen zu schaffen. Das wiederum brachte die örtliche SPD auf die Palme, die die rund 80 Jahre alten Backsteinbauten für ein bedeutendes Zeugnis der Hamburgischen Arbeitergeschichte hält. „Sie spielen als Vertreter der Hamburger Linie der Genossenschaftsbewegung eine herausragende Rolle“, sagt Veddels SPD-Chef Klaus Lübke. Genutzt wurde das Gebäude früher von der „Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine“ (GEG). Der genossenschaftliche Betrieb hatte ab 1927 auf der Peute eigene Waren produziert, unter anderem Konserven, Waschpulver und Körperpflegemittel. Trotz des vorläufigen Abrissverbots bleibt die SPD skeptisch: Zur Sicherheit haben die Sozialdemokraten einen Antrag auf dauerhaften Schutz in der Bezirksversammlung eingebracht. „Wir mischen uns ein“, sagt Lübke.
Denkmalschutz ist in der Hansestadt eine komplizierte Angelegenheit: Anders als in anderen Bundesländern gilt das „erkannte“ Denkmal (wie im Fall der Peute-Fabrik) noch nicht als endgültig geschützt. Dafür gibt es in Hamburg einen „Notfallparagrafen“ (§ 26), der die Abrissbirne wenigstens vorläufig stoppen kann. „Es kommt jetzt darauf an, ob sich die Wirtschafts- oder die Kulturbehörde durchsetzt“, sagt Kristina Sassenscheidt, Sprecherin des Denkmalschutzamts. Möglicherweise soll in den Fabrikgebäuden ein Museumslager unterkommen. Derzeit werden die Räume noch von zahlreichen Lager- und Kreativunternehmen genutzt.
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 19.02.2012 | 00:12  
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