Das Korallusviertel verwahrlost

Einst eine schöne Wiese: Inzwischen ist die Grünfläche zwischen Bahnlinie und Korallussstraße vermüllt. Foto: cvs

Vermüllung und leer stehende Grundstücke – 
Abhilfe derzeit nicht in Sicht

Von Christopher von Savigny.

Mustafa Yasar steht auf einer Brachfläche am nordwestlichen Ende der Korallussstraße, zwischen Hochhäusern und Bahnlinie. Auf dem Platz liegen alte Autoreifen und eine ganze Menge Müll. Etliche Autos parken dort, viele davon ohne Nummernschild und bis unters Dach mit Hausrat vollgepackt. „Das war mal eine richtig schöne Wiese“, sagt Yasar. Aber seit dem Abriss des benachbarten Parkhauses vor etwa fünf Jahren und der Einzäunung des Geländes verkomme die Fläche mehr und mehr.
„Es passiert einfach nichts“, schimpft Yasar, der seit 34 Jahren im Korallusviertel lebt. Bei der Bürgerschaftswahl im Februar hatte der Wilhelmsburger als parteiloser Einzelbewerber für seinen Stadtteil kandidiert. Einen Sitz im Rathaus konnte Yasar zwar nicht ergattern – aber dafür hat er mit über 1.000 Stimmen immerhin einen Achtungserfolg erzielt. „Ich möchte, dass sich etwas ändert“, sagt Yasar.

400 Wohnungen sollten
gebaut werden


Beispiele für Stillstand und Verwahrlosung finden sich im Korallusviertel genug: Müll in Hinterhöfen, leerstehende Ladenflächen, Parkplatznot. Prominentester Schandfleck ist das eingezäunte Grundstück an der Ecke Thielenstraße/ Korallussstraße, das ebenfalls seit vielen Jahren vor sich hingammelt. Eigentümer dieses Geländes ist Necati Adigüzel, dem in Wilhelmsburg mehrere Flächen gehören. Ursprünglich sollte dort im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) ein Komplex mit 400 Wohnungen sowie Geschäften entstehen.
Doch die IBA war abgesprungen, nachdem sich Adigüzel wenig kooperativ gezeigt hatte. „Das ist traurig, weil wir bis zum Sommer letzten Jahres fest davon ausgegangen sind, dass daraus etwas wird“, sagt der Wilhelmsburger Bürgerschaftsabgeordnete Michael Weinreich (SPD). Es handle sich um ein wichtiges Projekt für die Elbinsel. „Mit seiner zentralen Lage würde es das Bahnhofsviertel entscheidend aufwerten“, so Weinreich.
Ärger hatte sich Adigüzel vor einiger Zeit auch mit dem Bezirksamt eingehandelt, nachdem er auf seinen Grundstücken ohne Genehmigung Bäume fällen ließ – dafür kassierte er ein Verwarnungsgeld. Zum derzeitigen Sachstand kann das Bezirksamt nicht viel Neues beitragen. Immerhin: „Es laufen Gespräche mit potenziellen Investoren“, sagt Amtssprecherin Sorina Weiland. Namen möchte sie aus Datenschutzgründen nicht nennen. Das Wochenblatt hat auch versucht, Necati Adigüzel zu erreichen – ohne Erfolg: Unter der angegebenen Rufnummer meldete sich niemand.
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