Chantal-Prozess: Urteil erst im Februar

Auf dem Weg ins Gericht: Sylvia L. und Wolfgang A. mit dessen Verteidiger Udo Jacob Anfang Dezember 2014. (Foto: Christopher von Savigny)

„Neue Beweise“: Gericht verschiebt überraschend Urteilsverkündung

von Christopher von Savigny, Wilhelmsburg

Überraschung im Gerichtsprozess um das verstorbene Wilhelmsburger Mädchen Chantal (11): Am Montagvormittag zog das Oberlandesgericht den geplanten Termin der Urteilsverkündung kurzerhand zurück. Begründung: Es seien weitere Anträge der Verteidigung eingegangen, über die die Große Strafkammer nun beraten und entscheiden müsse. Ursprünglich sollte der Schuldspruch am vergangenen Montag gefällt werden. Jetzt hat das Gericht zwei weitere Termine für den 5. und den 13. Februar anberaumt, von denen möglicherweise der erste schon ausreicht.

Gericht gibt keine Auskunft über Inhalt der Anträge

„Das hängt davon ab, ob das Gericht die Beweisanträge zulässt oder nicht“, sagt Ruth Hütteroth, Sprecherin des Oberlandesgerichts. Falls ja, müsse die Beweisaufnahme wieder eröffnet werden, was mehr Zeit in Anspruch nehmen könne. Über den Inhalt der Anträge gab das Gericht keine Auskunft.
Chantal, die die 5. Klasse der Nelson-Mandela-Schule besuchte, hatte im Januar 2012 in der Wohnung ihrer derzeit angeklagten Pflegeeltern Sylvia L. (50) und Wolfgang A. (54) versehentlich eine Methadontablette eingenommen und war Tags darauf gestorben. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten vor, die Tabletten nicht ordnungsgemäß weggesperrt zu haben. Sowohl L. als auch A. nahmen zum Zeitpunkt des Unglücksfalls regelmäßig die Ersatzdroge Methadon ein. Neben Chantal hatte das Paar ein weiteres Pflegekind, zwei leibliche Kinder, drei Hunde und eine Katze. Nach Zeugenaussagen muss die Wohnung in der Fährstraße äußerst vermüllt und extrem dunkel gewesen sein. Heftige Vorwürfe aus Politik und Bevölkerung führten damals dazu, dass Markus Schreiber, ehemaliger Leiter des Bezirksamts Mitte, seinen Hut nehmen musste. Kurz zuvor war auch die damalige Leiterin des Jugendamts Mitte entlassen worden.
Die Staatsanwaltschaft fordert für Sylvia L. 15 Monate Haft auf Bewährung. Wolfgang A. droht eine zweieinhalbjährige Gefängnisstrafe. Der Vorwurf lautet auf fahrlässigen Totschlag und unterlassene Hilfeleistung. Die Verteidigung plädiert in beiden Fällen auf Freispruch.
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