Busfahrer hat nichts mitgekriegt

Grün und blau der Arm, wochenlange Schmerzen und am Ende eine dicke Rechnung: Auf die Hamburger Hochbahn AG ist Elfriede Weiland (86) momentan nicht gut zu sprechen.

86-Jährige stürzte nach Bremsmanöver im 154er –Bus – Hochbahn lehnt Kostenübernahme für Kurzzeitpflege ab

Acht Wochen nach dem unglücklichen Sturz in einem Linienbus ist Elfriede Weiland noch immer geschockt. „Ich könnte dauernd heulen“, sagt die 86-Jährige mit zitternder Stimme. Zwar sind die Knochenbrüche fast verheilt, doch an den psychischen Folgen des Unfalls trägt sie noch schwer. „Ich trau mich nicht mehr, Bus zu fahren“, so die Rentnerin.
Das war geschehen: Am 29. Juni fuhr Elfriede Weiland im 154er-Bus Richtung Wilhelmsburger S-Bahnhof. An der Haltestelle Am Inselpark wollte sie aussteigen. „Der Bus hielt, ich stand mit meinem Gehwagen an der Tür, als der Busfahrer plötzlich unvermittelt noch ein ganzes Stück nach vorne ruckte“, erinnert sie sich. Sie verlor den Halt und stürzte. Außer ihr seien noch zwei weitere Fahrgäste hingefallen. Der Busfahrer hätte nur kurz geguckt, doch da ihr bereits von einem Fahrgast aufgeholfen wurde, kümmerte er sich nicht weiter um die Seniorin. Sie stieg aus, der Bus fuhr weiter. „Erst Zu Hause merke ich, dass mein Arm gebrochen war“, berichtet Weiland.
Eine Woche Krankenhaus, zwei Wochen Reha, dann weitere 38 Tage Unterbringung in der Tagespflege. Da der rechte Arm stillgelegt werden musste, konnte die 86-Jährige nicht allein in ihrer Wohnung bleiben.
Zu der Angst, sich in ihrem hohen Alter gar nicht mehr zu berappeln, kommen nun die hohen Kosten: Knapp 3.000 Euro sind für die Tagespflege fällig, falls keine Pflegestufe bewilligt wird. Weilands Tochter forderte die Hamburger Hochbahn AG auf, die Kosten zu übernehmen. „Schließlich sind die ja schuld“, findet Marina Weinschenk. Doch mit ihrer Forderung biss sie auf Granit: Die Hochbahn lehnte eine Kostenübernahme entschieden ab.
Der Vorfall sei eingehend untersucht worden, teilte Hochbahn-Sprecherin Maja Weihgold mit. Mit dem Ergebnis, dass der Busfahrer sich offenbar an nichts erinnern kann. „Er hat uns schriftlich mitgeteilt, dass er keine Kenntnis von dem Vorfall hat“, so Weihgold. Eine Unfallbeteiligung der Hochbahn könne deshalb – und auch mangels anderer Zeugen – nicht nachgewiesen werden. Doch selbst wenn die Verletzung durch den Busfahrer verursacht worden wäre, „würde immer noch der erste Anschein dafür sprechen, dass sich die Geschädigte nicht richtig festgehalten hat“, betont die Unternehmenssprecherin.
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