Bus-Brutalo muss in den Knast

Gewalt-Opfer Kossi A. (r.) vor dem Gerichtssaal. Seit dem brutalen Übergriff im 13er Bus in der Harburger Chaussee geht der 35-Jährige abends nicht mehr gerne aus dem Haus. Foto: pit

Nach Messerattacke: Harburger Amtsgericht verurteilt 24-Jährigen zu fast zwei Jahren Haftstrafe ohne Bewährung

Die Aufzeichnungen aus der Überwachungskamera im Bus der Linie 13 zeugen von maßloser Brutalität: Nach einem Wortwechsel mit seinem Sitznachbarn steht Chesrau F. (24) plötzlich auf, hängt sich an die Halteschlaufen, nimmt Schwung und tritt dem arglosen Kossi A.* (35) ins Gesicht und vor den Oberkörper. Dann zückt er ein Klappmesser und sticht zu. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde der Brutalo jetzt zu fast zwei Jahren Knast verurteilt – ohne Bewährung!
Die unfassbare Attacke ereignete sich am 4. Juni letzten Jahres – es war ein warmer Sommerabend. „Ich hatte einen schlechten Tag“, bringt Chesrau F. zu seiner Entschuldigung hervor. Ihm sei heiß gewesen, erzählt der 105-Kilo-Mann, deshalb hätte er sich breit gemacht. Als Kossi A. ihn bat, etwas Platz zu machen, rastete er aus. Erst beschimpfte er den dunkelhäutigen Studenten als „Scheiß-Neger“, der „besser vergast werden sollte“, dann wurde er handgreiflich.
Zwar legte Chesrau F. ein Geständnis ab, bat sein Opfer um Entschuldigung und beteuerte, kein Rassist zu sein („Ich habe selbst schwarze Freunde“) – doch glaubwürdig war das nicht. Noch als er in Handschellen abgeführt wurde, habe er rassistische Pöbeleien von sich gegeben, berichtet der Wilhelmsburger Polizeibeamte Mehmet-Ali Ü. im Zeugenstand.
Für Informatik-Student Kossi A. hatte der Angriff weitreichende Folgen. Durch die Stichverletzungen konnte er lange nicht schreiben, verlor dadurch ein Semester. Die Wunden sind zwar verheilt, doch noch immer ist er in psychotherapeutischer Behandlung. „Ich gehe abends kaum noch raus“, erzählt er.
Chesrau F. folgt dem Geschehen im Gerichtssaal mit offensichtlicher Langeweile, kippelt mit dem Stuhl, unterbricht die Richterin, gähnt der Staatsanwaltin beim Schlussplädoyer frech ins Gesicht. Anscheinend ist er sicher, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Bei der Urteilsverkündung macht der Hartz-IV-Empfänger dann große Augen: ein Jahr und neun Monate Knast. „Eine positive Sozialprognose kann ich bei Ihnen nicht sehen“, begründet die Richterin. „Deshalb ohne Bewährung.“
Chesrau F. will jetzt in Berufung gehen.

* Name geändert
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20 Kommentare
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 28.04.2012 | 17:17  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 01.05.2012 | 16:38  
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Manfred Hagel aus Harburg | 02.05.2012 | 20:57  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 02.05.2012 | 21:06  
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Manfred Hagel aus Harburg | 02.05.2012 | 22:05  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 02.05.2012 | 22:54  
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Manfred Hagel aus Harburg | 02.05.2012 | 23:08  
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 04.05.2012 | 04:44  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 04.05.2012 | 12:31  
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Manfred Hagel aus Harburg | 05.05.2012 | 07:48  
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 05.05.2012 | 11:29  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 05.05.2012 | 12:05  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 05.05.2012 | 12:26  
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Manfred Hagel aus Harburg | 05.05.2012 | 12:35  
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 05.05.2012 | 13:04  
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Abmelden wollte ich aus Wilhelmsburg | 11.05.2012 | 17:40  
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