Bücherhalle feiert Gründung vor 111 Jahren

Marco Moreno und Sabine von Eitzen haben sich intensiv mit der Geschichte der Bücherhalle und der Elbinsel beschäftigt.
 
In der Veringstraße 65-67 befand sich die Bücherhalle von 1950 bis 1999. Dieses Foto vom Ausleihebereich stammt vermutlich aus den 60er Jahren. (Foto: Foto: pr)

Wilhelmsburger Stadtteilbibliothek blickt auf bewegte Geschichte zurück und lädt zur Geburtstagsfeier

Mit 84 Büchern im Lehrerzimmer der Schule Fährstraße, damals Schule III, fing alles an. 1903 gründete Rektor Heinrich Meyer die Volksbibliothek zu Wilhelmsburg. Sechs Umzüge und 111 Jahre später, lädt die Bücherhalle Wilhelmsburg zu einer Geburtstagsfeier ein, die am 29. August beginnt. „Wir sind mit der Bücherhalle Finkenwerder die älteste Stadtteilbibliothek in Hamburg. 111 Jahre, diese beeindruckende Zahl wollten wir feiern“, sagt Sabine von Eitzen.
Die 47-Jährige leitet die Bücherhalle seit 2010. In den vergangenen Monaten hat sie sich intensiv mit der bewegten Geschichte der Einrichtung beschäftigt, deren Bestand zuerst im Krieg 1944 und später während der Flutkatastrophe 1962 fast komplett zerstört wurde. Nach fast 50 Jahren in der Veringstraße 65-67 zog die Bücherhalle 1999 an ihren jetzigen Standort im Vogelhüttendeich 45. Kurz zuvor hatte der Senat die vergleichsweise kleine Bibliothek im Zuge von Sparmaßnahmen schließen wollen, doch massiver Protest aus Wilhelmsburg konnte das verhindern.
Von Eitzens Recherchen verknüpft Moderator und Vorleser Marco Moreno mit 111 Jahren Inselgeschichte. Am Freitag, 29. August, wird er aus verschiedenen Büchern rezitieren, begleitet von zwei Wilhelmsburger Musikern. Der 47-Jährige ist in Kirchdorf aufgewachsen und kennt die Bücherhalle seit Kindertagen, als er und seine Freunde sich frischen Lesestoff im Bücherbus besorgten. „Der Fahrer hat immer streng geguckt und geschaut dass wir keinen Quatsch machen“, erinnert er sich. Die Hände waschen, bevor er die Bücher in Empfang nehmen durfte, musste er sich nie. „Bis 1976 war es üblich, dass Kinder ihre Hände vorzeigen“, erzählt von Eitzen, die beim Recherchieren über einige kuriose Details aus der Bücherhallen-Geschichte gestolpert ist.
Moreno wird auch aus Büchern vorlesen, die 1934 während der Nazi-Zeit aus der Bücherhalle entfernt wurden. Nach einer sogenannten „Bereinigung des Bestandes“ gingen die Werke als Schenkung an die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Von Eitzen ist es gelungen 14 Titel, darunter viel marxistische Literatur, für eine Ausstellung, die noch in Planung ist, nach Wilhelmsburg zurückzuholen. „Das ist ein Stück Geschichte“, sagt sie.


Programm zum Bücherhallen-Geburtstag:
Freitag, 29. August, 19 Uhr: Musikalisch-literarische Zeitreise durch 111 Jahre Elbinselgeschichte mit Moderator Marco Moreno, Ulrich Kodjo Wendt (Handharmonika) und Arne „Tingel“ Theophil (Gitarre und Bass). Eintritt frei.
Montag, 1. September, 16 bis 18 Uhr: Großes Geburtstagsfest mit Malwettbewerb und Bücherhallen-Rallye. Um 17 Uhr Weitflug-Wettbewerb mit über 100 Luftballons auf dem Stübenplatz
Mittwoch, 3. September, 16 Uhr: Bilderbuchkino „Pompeo, der Piratenkater“ für Kinder ab drei Jahren, danach wird gebastelt.
Sonnabend, 6. September: Großer Bücherflohmarkt der Bücherhalle auf dem Reiherstiegfest vor der Emmaus-Kirche in der Mannesallee.


Bücherhalle in Zahlen:
Die Bücherhalle Wilhelmsburg hat rund 16.000 Medien in ihrem Bestand, darunter Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs und Spiele. Im Jahr 2013 verzeichnete die Einrichtung rund 75.000 Besucher. Sie liehen insgesamt 113.000 Mal Medien aus. Die Anzahl der Ausleihen steigt konstant, 2012 waren es noch 108.000, 2011 91.000.
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