Breite Straßen verleiten zum Rasen

Noch darf auf der Trasse der Wilhelmsburger Reichsstraße nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. „Wenn die Straße erstmal Autobahn-Ausmaße hat, wird auch entsprechend schnell gefahren – egal, welches Tempolimit auf den Schildern steht!“, sagt Jochen Klein.

Wilhelmsburger Reichsstraße: Tempolimit bringt gar nichts, wenn die Straße so breit wie eine Autobahn gebaut wird

Die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße lässt Jochen Klein keine Ruhe. Gerade erst wurde in der Bürgerschaft ein SPD-Antrag beschlossen, der als Kompromiss gedacht war und etwas Ruhe in die erhitzte
Diskussion bringen sollte: Die Fahrbahn etwas schmaler, das Tempo runter von 80 auf 70 Stundenkilometer. Doch Jochen Klein geht das nicht weit genug. Der Gründer der Initiative Rechtsschutz Lebensqualitat Wilhelmsburg sagt: „Hier wird ein windelweicher Prüfungsantrag als Kompromiss verkauft! An den Plänen hat sich dadurch gar nichts geändert!“
Entgegen dem Willen vieler Wilhelmsburger, die sich in zwei Beteiligungsverfahren für eine schmalere Straße mit erlaubten 60 Stundenkilometern ausgesprochen hatten, werde die Straße nun genau so gebaut wie von der Verkehrsbehörde geplant: 28 Meter breit, Tempolimit 80. „Der jetzigen Planung wurde von einem unabhängigen Gutachter die Gestalt und Funktion einer Vollautobahn attestiert“, betont Klein. Daran ändere der Prüfungsantrag überhaupt nichts. Klein: „Wer den Beschluss aufmerksam liest, erkennt, dass dieser angebliche Kompromiss eine Ohrfeige für die beteiligten Bürger ist.“
Die Planungen für die Verlegung der Reichsstraße laufen seit 2008. „Das waren mehr als vier Jahre Zeit, um die Bedenken der Bürger aufzugreifen“, so Klein. Doch das sei nicht geschehen. Die jetzigen Planungen bestünden nahezu unverändert seit der gescheiterten schwarzgrünen Koalition aus 2009. „Wenn die Straße erst einmal so breit gebaut ist, was soll sich dann noch ändern?“, fragt Klein. Es sei erwiesen, dass zwischen Fahrbahnbreite und Geschwindigkeit eine Wechselwirkung bestehe. Eine Fahrstreifenbreite von 3,50 Meter wie vorgesehen führe laut Gutachten ganz automatisch zu einer Geschwindigkeit von rund 125 Stundenkilometern – der gefühlten „optimalen Bequemlichkeit“, wie es in der Fachsprache heißt. Klein: „Wenn die Straße schön breit ist, fährt doch jeder über 100, egal, was auf den Schildern steht. Sonst fühlt man sich als Autofahrer doch veralbert.“
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Hans-Jürgen Maass aus Wilhelmsburg | 14.03.2013 | 12:26  
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