Bloß nicht krank werden!

Kein Hausarzt? Viele Veddeler weichen auf das Krankenhaus Groß Sand aus. Foto: panthermedia

Ein Arzt für 5.000 Bewohner: Die Veddel ist dramatisch unterversorgt

Von Christopher von Savigny.
Wer als Bewohner der Veddel krank wird, sollte am besten versuchen, sich selbst zu kurieren: Denn Ärzte sind auf der kleinen Elbinsel Mangelware. Mit Dr. Simin Mahdavi in der Wilhelmsburger Straße existiert mittlerweile nur noch eine Allgemeinärztin. Die Sprechzeiten sind auf vier Vormittage pro Woche begrenzt. „Für knapp 5.000 Menschen ist das einfach zu wenig“, sagt Ortspolitiker Klaus Lübke (SPD). Kranken bleibt nur noch die Wahl, in die Hamburger City oder nach Wilhelmsburg auszuweichen. „Gerade als Kranker ist man aber auf kurze Wege angewiesen“, so Lübke.
Verantwortlich für die vertragsärztliche Versorgung ist die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH). Viele Möglichkeiten hat auch sie nicht. Denn es gilt die Niederlassungsfreiheit: Jeder Arzt darf dort eine Praxis eröffnen, wo er es für richtig hält. Laut „Bedarfsplan“ der KVH gibt es allerdings Sonderfälle, wenn die Aufnahmekapazität der betroffenen Praxis erschöpft oder die Wartezeit zu lang ist.
Auch die Anzahl der Bewohner, die in einem Radius von drei Kilometern rund um den Standort der Praxis wohnt, spielt eine wichtige Rolle. Liegen diese Zahlen fernab des Hamburger Durchschnitts, sind finanzielle und personelle Förderungen für die betroffene
Praxis möglich.

Änderung? Kein Bedarf!

Momentan sieht die KVH aber keinen Handlungsbedarf: „Für die Bürger auf der Veddel gibt es ausreichend Hausärzte in zumutbarer Entfernung“, sagt Pressesprecher Jochen Kriens. Was die Hansestadt insgesamt angeht, spricht die KVH sogar von einer Überversorgung: „Im Vergleich mit den meisten Regionen Deutschlands ist die Versorgungsdichte in Hamburg überall an oberster Stelle“, so Kriens.
Der Veddeler Ärztemangel macht sich auch im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß Sand bemerkbar. „Wir beobachten, dass immer mehr Menschen mit Schnupfen oder Halsweh in die Notaufnahme kommen“, sagt Sprecherin Sarah Eyßer. Gegenüber dem letzten Jahr sei die Anzahl der Patienten um zehn Prozent gestiegen. „Die meisten sind ganz überrascht, wenn sie dann lange warten müssen“, so Eyßer.

Info Veddel
Laut Statistikamt Nord hatte die Veddel im Jahr 2014 genau 4.709 Bewohner. Die Arbeitslosenquote betrug 10,1 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 5,8 %), die Anzahl der Hartz-IV-Empfänger lag bei 26,1 Prozent (Hamburg: 10,0 Prozent). Wie in allen ärmeren Stadtteilen Hamburgs sind fast alle Bewohner gesetzlich versichert. Die meis-ten Ärzte bevorzugen Stadtteile, in denen mindestens zehn Prozent der Patienten privat versichert sind, weil deren Kassen mehr zahlen.
Die Veddel gehört zu den ärztlich am schlechtesten versorgten Quartieren der Hansestadt. Am besten schneiden unter anderem Blankenese, Altona-Altstadt und die Stadtteile rund um die Alster ab.
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