Bis zu 60 Tonnen Klamotten im Monat

Betriebsleiter Norbert Meiburg zeigt die Sortierstelle der Wilhelmsburger Kleiderkammer, während Kahekashan Fatima die Kleidersäcke auf brauchbare Textilien prüft. (Foto: Sabine Langner)

Kleiderkammer Wilhelmsburg versorgt Bedürftige seit 30 Jahren mit gespendeten Kleidungsstücken

Sabine Langner, Wilhelmsburg

Die Kleiderkammer Wilhelmsburg feiert Geburtstag. Seit 30 Jahren sammeln die Mitarbeiter Kleidungsstücke, Bettwäsche und Schuhe. Sie prüfen sie, ob die Textilien weitergegeben werden können an bedürftige Menschen, oder ob sie zum Recycling weitergehen und zu Putzlappen und Dämmmaterial verarbeitet werden. Zwischen 40 und 60 Tonnen Textilien bewegen die sieben Lieferwagen im Monat.
Beeindruckende Zahlen – und doch kann Norbert Meiburg, seit fast 19 Jahren Betriebsleiter der Kleiderkammer, ein gewisses Maß an Frust nicht verbergen. So sei die Qualität der gespendeten Kleidung in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen. „Kein Wunder“, sagt er. „Es gibt immer mehr Kleidung bei Discountern. Die ist nach zwei Jahren kaputt.“ Gleichzeitig würde der Bedarf immer mehr steigen.Meiburg: „Es kommen immer mehr ältere Menschen und wir bräuchten das Doppelte an Kinderkleidung.“
140 Container hat die Kleiderkammer Wilhelmsburg in ganz Hamburg, überwiegend auf dem Gelände von Kirchengemeinden, aufgestellt. Nach dem Sortieren in der Zentrale im Veringhof transportieren die Mitarbeiter die Kleider an vier Tagen in der Woche zu den 18 Ausgabestellen in verschiedenen Kirchengemeinden. Obdachlose bekommen die Kleider umsonst. Alle anderen zahlen je nach Qualität des Kleidungsstücks zwischen 50 Cent und zwei Euro. Ein Teil der Spenden geht kostenlos an Flüchtlingsunterkünfte.
Auch in Sachen Mitarbeiter ist Meiburg inzwischen desillusioniert. Die Kleiderkammer ist ein Unternehmen des Beschäftigungsträgers Passage gGmbH. Bis auf zwei Festangestellte arbeiten hier ausschließlich sogenannte Ein-Euro-Jobber – momentan sind es 35. Ziel ist es, diese Menschen innerhalb von zwei Jahren auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Doch die Erfolge seien überschaubar, so Meiburg.
Trotz aller Widrigkeiten betont der Kleiderkammer-Chef, wie wichtig die Einrichtung ist und dass seine Mitarbeiter einen guten Job machen. „Spender können sicher sein, dass wir kein Geschäft mit den Kleidern machen. Sie kommen da an, wo sie gebraucht werden. Gleichzeitig haben die Menschen, die hier arbeiten, eine Aufgabe. Viele sind traurig, wenn sie nach zwei Jahren gehen müssen.“
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Deniz Neder aus Altstadt | 22.10.2015 | 09:52  
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