Bis September bleibt es laut

Alfred Lischewski (l.) und Nachbar Horst Pingel messen bis zu 90 Dezibel in ihren Gärten, wenn ein S-Bahn-Zug vorbei rattert. Schon ab 65 Dezibel gilt Lärm als gesundheitsgefährdend. Unter diesen Voraussetungen blieb der kleine Pool in Horst Pingels Garten in diesem Sommer unbenutzt.
 
Die 5,5 Meter hohe Wand wird die Bewohner des Katenwegs zukünftig vor Lärm schützen.

Lärmschutzwand an Bahnstrecke entlang des Katenweg wird später fertig als geplant

Eigentlich sollte die neue Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke im Katenweg spätestens im August fertig sein. Das ist die letzte Information, die er von der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) bekommen habe, berichtet Anwohner Horst Pingel. Im Februar hatte die Deges die bestehende Schutzwand im Auftrag der Stadt ersatzlos abgebaut und damit Pingel und seine Nachbarn Lärmpegeln von bis zu 90 Dezibel schutzlos ausgeliefert. Jetzt steht fest: Den Lärm der täglich rund 800 vorbeidonnernden Züge werden die Anwohner länger ertragen müssen, als erwartet, denn laut Deges werden die Arbeiten bis September laufen.
Auch wenn Horst Pingel und sein Nachbar Alfred Lischewski den Lärmschutz sehnlich erwarten, bringt die neue Wand auch Probleme mit sich. „Wir wählen zwischen Pest und Cholera“, sagt Lischewski. Er befürchtet, dass die auf 5,5 Meter erhöhte und aus Aluminium-Elementen zusammengesetzte Wand sein Grundstücke verschatten wird. „Man hätte hier keine Eiger-Nordwand bauen müssen“, sagt der genervte Anwohner. Doch transparente Elemente wären der Stadt einfach zu teuer gewesen, vermutet er.
Laut Deges habe man sich aus technischen Gründen gegen einen transparenten Lärmschutz entschieden. Das Material würde Lärm reflektieren und nicht absorbieren, wie es die Aluminium-Elemente tun. Als Folge würde es an anderer Stelle wieder lauter werden.
Von den Behörden fühlen sich die Anwohner im Stich gelassen. Ihre Strafanzeige gegen die Bauarbeiten sei von der Staatsanwaltschaft abgebügelt worden. Eine von der Bezirksversammlung Mitte unterstützte Empfehlung des Stadtteilbeirats Wilhelmsburg, die Geschwindigkeit der Züge für den Zeitraum ohne Lärmschutz zu reduzieren, sei an der Verkehrsbehörde gescheitert. Auch eine provisorische Wand aufzustellen, habe die Behörde abgelehnt – das sei zu teuer für den kurzen Zeitraum. Lischewski: „Wenn man ein halbes Jahr keine Nacht durchschlafen kann, ist das kein kurzer Zeitraum.“



Verwirrung um Verlauf der Lärmschutzwände:
In einer Stellungnahme der zuständigen Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) vom 28. Juli sind Alfred Lischewski und Horst Pingel auf widersprüchliche Angaben zum Verlauf der Lärmschutzwand gestoßen. So gibt die BWVI an, dass die Lärmschutzwand entlang ihrer Grundstücke im Katenweg bis zur Hausnummer 42 auf 5,5 Meter erhöht werde. Zusätzlich soll zwischen S-Bahn- und Güterzug-Gleis eine versetzt und parallel verlaufende Wand ab Hausnummer 40 für doppelten Schutz vor Bahnlärm sorgen. „Es war aber geplant, dass die beiden Lärmschutzwände auf Höhe unserer Grundstücke, also Hausnummer 46 und 48, überlappen. Wenn das nicht mehr so ist, stimmen die Lärmberechnungen nicht mehr“, sagt Lischewski. Wegen des doppelten Schutzes hätten ihre Häuser keinen zusätzlichen Lärmschutz bekommen, die von anderen Bewohnern des Katenwegs aber schon, erklärt er. Hat die BWVI also die Pläne geändert, ohne die Anwohner zu informieren? Nein, man habe die Lage der Wände lediglich „nicht so detailscharf beschrieben“ wie im Planfeststellungsverfahren, sagt BWVI-Sprecherin Helma Krstanoski. Im Klartext: Die Aussagen waren ungenau und falsch. Es wird so gebaut, wie es der Planfeststellungsbeschluss vorsieht – also mit Überlappung der Wände auf Höhe der Häuser Katenweg 46/48. AS
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