Bilder-Klau am Veddeler S-Bahnhof

Von der Wand abmontiert und geklaut: Hafen-Bild von Tunnel-Künstler Michael Winterberg.

Wandbildgalerie im Tunnel geplündert – Vandalismus oder Kunstraub?

Fieser Diebstahl am S-Bahnhof Veddel: Unbekannte Täter haben in der vergangenen Woche drei großformatige Bilder samt Rahmen aus dem Fußgängertunnel am Nordeingang gestohlen. Die Wandbildgalerie war 2010 aus einem Projekt mit Langzeitarbeitslosen entstanden, um den schmuddeligen Tunnel aufzuwerten. Das ist gelungen: Seit die Hafenbilder hängen, gibts kaum noch Graffiti-Schmierereien. Wie ist der Bilderklau einzuordnen? Vandalismus oder Kunstraub?
Bereits im letzten Jahr hatte es einen Versuch gegeben, Bilder aus dem hinteren, dunklen Teil des Tunnels zu entwenden. Doch der Täter scheiterte offenbar an den stabil verschraubten Halterungen. „Diesmal war die Tat eindeutig geplant“, sagt Elisabeth Richnow von der KOM gGmbH, die 2010 die Projektgruppe Walldesign geleitet hat. Die farblich aufeinander abgestimmten Bilder seien gezielt ausgewählt und mit passendem Werkzeug abmontiert worden. „Da war ein Kunstliebhaber am Werke“, ist sie sicher.
Die Bilder sind in der Tat eindrucksvoll: Die Teilnehmer hatten damals die Aufgabe, Natur in der Hafenlandschaft darzustellen. Entstanden sind Hafenbilder jenseits der gängigen Klischees mit dicken Pötten und Segelschiffen. Stattdessen ist zu sehen, wie sich die Natur in der unwirtlichen Hafenindustrie behauptet. Eines der geklauten Gemälde stammt von Martin Götze, ehemaligem Walldesign-Teilnehmer und heutigem Werkstattleiter. „Ich war damals sehr engagiert in dem Projekt. Wir haben lange und mit viel Herzblut an den Bildern gearbeitet“, erinnert er sich. Dass die Bilder nun weg sind, macht ihn wütend. „Es ist ein blödes Gefühl, dass sie jetzt woanders hängen, und ich nicht weiß wo.“
Elisabeth Richnow hat Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt. Die Künstlerin hofft auf Hinweise aus dem Stadtteil. „Die Bilder sind ja sehr auffällig“, sagt sie. Ihr Kollege Mariano Albrecht hat die Bilder außerdem auf Facebook gepos-tet. „Hier wurde nicht nur der Stadtteil bestohlen, sondern auch Menschen, die sich trotz sehr geringem Einkommen und schwieriger Lebensumstände engagieren und etwas für die Gesellschaft tun“, so Albrecht.
Im Tunnel klaffen jetzt drei große Lücken an der Wand – hoffentlich nicht der Anfang vom neuen Schmuddeltunnel...
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