Bilder, die sich verändern

„Bilderserien finde ich reizvoll“, sagt Anne Vagt (33). Kleines Bild: „Milchshake“ von Anne Vagt. Fotos: cvs

„Etüden”: Anne Vagt (33) gibt ihren Motiven Zeit, sich zu entwickeln

von Ch. v. Savigny

Ein Eisbecher und Franz Kafka – passt das zusammen? Für Anne Vagt (33) schon. Die Künstlerin, die im Wilhelmsburger Atelier „Studio Honig“ arbeitet, liebt Veränderungen. „Bei Kafka verändert sich dauernd etwas“, sagt sie.
„Im Roman 'Der Prozess' ist es ein Mensch, der seine Umwelt als immer bedrohlicher empfindet.“ Dieses Thema versucht die Künstlerin auf ihre Bilder zu übertragen – auch wenn sie selten Menschen zeichnet, sondern eigentlich nur Dinge. Zu ihren derzeitigen Lieblingsmotiven zählt der besagte Eisbecher, der immer wieder in neuen Formen, Mustern und Farben erscheint. „Etüden“ nennt sie diese Bildreihen.
Studiert hat Vagt Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Mit dem Studiengang „Illustration“ wurde sie allerdings nie so recht warm – obwohl man dabei viel lernen konnte. „Es geht hauptsächlich um den Nutzen der Kunst, und wie man sie verkaufen kann“, sagt sie. Der Funke fürs freie Arbeiten sprang erst später bei einem einjährigen Gaststudium in Minneapolis über. Anne Vagt bezeichnet sich als „assoziative Künstlerin“, die ihre Eindrücke in Bildern verarbeitet. Musik, Geschichten und fremde Länder sind ihre Inspirationsquellen. „Ich reise sehr gerne“, berichtet sie. Erst kürzlich ist die Künstlerin von einem viermonatigen Aufenthalt im New Yorker Stadtteil Williamsburg zurückgekehrt. „Das Schanzenviertel von Brooklyn“, erzählt Vagt begeistert.
Die 33-Jährige arbeitet mit schlichten Materialien: Buntstift, Edding und Kugelschreiber genügen, um ihre Ideen zu Papier zu bringen. Ihr Geld verdient sie mit Auftragsarbeiten für diverse Zeitschriften, momentan ist ein Buchprojekt mit einer Berliner Autorin in Arbeit. „Zurzeit kann ich ganz gut von meiner Arbeit leben“, sagt sie. „Aber es gibt auch Zeiten, da lebt man nur von Auftrag zu Auftrag. In dem Job gehört auch ein bisschen Glück dazu.“
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