Bauernhaus steht seit Jahren leer - warum tut die Stadt nichts?

Schönes altes Haus - nur schade, dass es nicht genutzt wird. Foto: cvs

Obergeorgswerder Deich: Gebäude aus dem Jahr 1784 soll verkauft werden -
keine Nutzung für Flüchtlinge geplant

Von Christopher von Savigny.
Schmuck sieht es aus, das alte Bauernhaus am Obergeorgswerder Deich, direkt neben der Autobahn A1. Der rote, große Klinkerbau (Baujahr 1784) ist mit Reet gedeckt, auf dem Grundstück stehen einige alte Linden. Doch wer einen Blick durchs Fenster wirft, sieht nur leere Räume. Vor sechs Jahren wurde das Gebäude an die Stadt verkauft, verwaltet wird es von der Sprinkenhof AG. Seither hat dort kein Mensch mehr gewohnt.
„Vollkommen unverständlich" findet das der Wilhelmsburger Bürgerschaftsabgeordnete Michael Weinreich (SPD). Vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsproblematik sei die Stadt in der Verantwortung, für Wohnraum zu sorgen. „Grundsätzlich muss alles dafür getan werden, dass diese Menschen nicht in Zelten wohnen müssen“, so Weinreich.

Vermieter: Saga/GWG

Zuletzt gehörte das Anwesen, an das noch zwei Wirtschaftsgebäude angeschlossen sind (Grundstücksfläche 2.800 Quadratmeter), der Wilhelmsburger Familie Cordes. Bis 2009 wohnte dort die Mutter von „Deichvogt" Hennig Cordes, der den bekannten „Schröderschen Hof" in der Nachbarschaft wieder aufgebaut hatte. Vermietet wurde das Haus durch die Saga/GWG. Das geschichtsträchtige Gebäude steht auf der Liste der Hamburger Kulturdenkmäler. Laut Bezirksamt ist derzeit nicht vorgesehen, von der bisherigen Nutzung als Wohnhaus abzuweichen.
Allerdings wird der aktuelle Bebauungsplan „Wilhelmburg 86“, in dem das Grundstück als Bauland ausgewiesen ist, gerade überprüft. Danach soll „das bebaute Grundstück veräußert werden", erklärt Uwe Voss (Finanzbehörde). Als Flüchtlingsunterkunft sei das Gebäude wegen der fehlenden Heizung nicht geeignet. „Die für eine Wohnnutzung erforderlichen Herrichtungskosten wären unverhältnismäßig hoch", so Voss abschließend.
Interessanterweise gibt es am Obergeorgswerder Deich noch ein altes Reetdachhaus, das seit langem nicht genutzt wird: Besitzer der Hausnummer 52 ist Gemüsebauer Dirk Beckedorf aus Moorwerder, der zu dem Thema allerdings keine Auskunft geben möchte. Dessen Vater Johann war übrigens letzter Bewohner des Schröderschen Hofes an seinem alten Standort, bevor dieser abgerissen und wieder aufgebaut wurde.
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