Basar auf dem Stübenplatz

Der Laden brummt. „Muss ja auch“, sagt Obst- und Gemüsehändlerin Margret Hille (re., mit Verkäuferin Rita Meyer). „Sonst könnten wir gleich dicht machen.“ Foto: cvs
 
Für Kartoffelhändler Frank Hamann läuft das Geschäft nicht besonders. „Das liegt aber nicht an den Klamottenständen“, sagt er
Hamburg: Bushaltestelle Stübenplatz |

Immer mehr Klamottenverkäufer auf dem Wilhelmsburger Wochenmarkt –
Kunden und Lebensmittelhändler fühlen sich nicht gestört

Von Christopher von Savigny. Das Paar Jeans für acht Euro, zehn Paar Socken für fünf Euro, zwei Unterhosen für 3,50 Euro: Keine Frage – hier kann man wirklich günstig einkaufen. Mit beiden Händen wühlt sich die junge, dunkelhäutige Frau durch einen Stapel mit bunten Umhängetüchern. Am Ende hat sie 20 Stück ausgewählt. „Machst du mir einen guten Preis, ja?“, fordert sie den Händler auf. Lediglich 20 Euro zahlt die Käuferin zu guter Letzt für ihren Einkauf – mit dem sie zufrieden von dannen zieht. „Es lohnt sich trotzdem für mich“, sagt der Verkäufer, ein Rentner, der seinen Namen nicht nennen will. „Damit verdiene ich mir ein bisschen was dazu“, erklärt er. „Ich kaufe immer große Mengen an Restposten auf, die ich dann auf dem Markt günstig anbieten kann.“

„Die Kaufkraft ist raus aus dem Stadtteil“, so Hamann

Sonnabendvormittag auf dem Wochenmarkt am Wilhelmsburger Stübenplatz: Das Publikum ist bunt gemischt – Frauen mit Kopftüchern und Männer mit dunklen Bärten kaufen hier ein, wie auch alteingesessene Wilhelmsburger und junge Studenten. Über die Theke gehen Obst, Gemüse, Backwaren, Käse, Fleisch und Frischfisch – ebenso wie Kleidung, Schuhe, Schmuck und Elektronikteile. Wobei der Anteil der so genannten Non-Food-Händler zu überwiegen scheint. „Früher war das ja mal ein reiner Lebensmittelmarkt“, erinnert sich Kartoffelverkäufer Frank Hamann, dessen Betrieb schon seit 45 Jahren auf der Marktfläche im Reiherstiegviertel zuhause ist. „Inzwischen ist der Charakter ein anderer, aber das stört mich nicht. Die Nachfrage regelt eben das Angebot.“ Trotzdem hätte Hamann vor kurzem beinahe hingeschmissen. „Wir machen immer weniger Umsatz“, berichtet er. „Das liegt nicht an den Non-Food-Anbietern, sondern am Stadtteil. Die Kaufkraft ist ganz einfach raus. Klar, es kaufen mehr Studenten bei uns ein, aber davon können wir auch nicht leben. Gegen die Konkurrenz der Discounter kommen wir preislich nicht an. Jetzt habe ich mir einen neuen Job gesucht. Marktverkauf mache ich nur noch nebenberuflich.“
Auch Thorsten Hille, Obst- und Gemüsehändler, hat am Flohmarktcharakter „seines“ Wochenmarkts nichts auszusetzen: „Das ist schon okay so“, findet er. „Die Kunden scheinen es ja zu wollen. Ob man sich aber unbedingt Schuhe für drei Euro kaufen muss, die nach drei Tagen kaputt gehen, ist eine andere Frage.“ Über mangelnden Umsatz beschwert er sich nicht – im Gegenteil: „Unser Geschäft läuft gut, wir können uns nicht beklagen. Zu uns kommen hauptsächlich junge Kunden, die nicht im Supermarkt einkaufen. Mein Wunsch wäre, die Marktzeit etwas nach hinten zu verlegen, zum Beispiel auf 8 bis 14 Uhr. Denn so ganz früh morgens läuft es nicht!“

60 Prozent der Händler verkaufen keine Lebensmittel mehr


Erfreulich ist der sichtbar hohe Anteil an jüngeren Besuchern. Wer es sich leisten kann, kauft biologisch, umweltfreundlich und gesund beim Händler um die Ecke. „Wir sind jeden Sonnabend hier“, berichten Waldemar (St. Georg) und Sandra (Wilhelmsburg). „Preise und Qualität sind in Ordnung. Die Schuh- und Kleiderhändler sollten bleiben – ansonsten stünden ja dreiviertel der Marktfläche leer!“
Der Stübenplatz-Markt geht zweimal wöchentlich in der Zeit von 7 bis 13 Uhr über die Bühne. Nach Auskunft des Bezirksamts Mitte nehmen mittwochs 52 Händler und sonnabends 60 Händler teil – davon 60 Prozent im so genannten Non-Food- und 40 Prozent im Food-Sektor. „Das geschilderte Wochenmarktgepräge ist nicht neu“, sagt Amtssprecherin Sorina Weiland. Zum einen sei die Situation so gewachsen, zum anderen lägen auch keine Bewerbungen für den Food-Bereich vor.
„Der Wochenmarkt wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage. Es besteht, im Vergleich zu anderen Wochenmärkten, ein erhöhter Bedarf an Non-Food-Ständen.“ Zur Frage, was auf dem Stübenplatz überhaupt verkauft werden darf, verweist Weiland auf die Zulassungs- und Benutzungsordnung für Wochenmärkte. „Hier ist geregelt, welche Waren zugelassen sind“, so Weiland. Vorgaben über das Mischungsverhältnis von Food- und Non-Food-Waren gebe es jedoch nicht.

Wochenmärkte am Wochenende


Bezirk Altona
Rissen, Wedeler Landstraße 30
Blankenese, Blankeneser Bahnhofstraße
Groß Flottbek, Osdorfer Landstraße 1a
Ottensen, Fabrik, Barnerstraße 36 (alle sonnabends)
Fischmarkt, Fischmarkt 2a, (sonntags 7 bis 9.30 Uhr)


Bezirk Mitte
Neustadt, Großneumarkt
Finkenwerder, Finksweg
Wilhelmsburg, Stübenplatz
(alle sonnabends)

Bezirk Harburg
Neugraben, Neugrabener Marktpassage (sonnabends)
Harburg, Sand (täglich außer sonntags)


Öffnungszeiten und übrige Wochentage im Wochenmarktfinder unter
❱❱ www.hamburger-wochenmaerkte.de
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