BallinStadt: Ein Zeitzeuge berichtet über die Flutkatastrophe 1962

Großformatige Fotos der Flutkatastrohe und nachgestellte Szenen mit Original-Rettungsbooten und Sandsäcken machen die Ausstellung erschreckend realistisch. Foto: pit
Von Claudia Pittelkow.
Mucksmäuschenstill wurde es im Foyer der BallinStadt, als Dieter Thal (62) von dem grauenhaften Morgen berichtete, an dem die Veddel unter Wasser stand. Zum 50. Jahrestag der Flutkatastrophe vom 16./17. Februar 1962 eröffnete das Auswanderermuseum vergangene Woche eine Sonderausstellung mit Fotos, Zeitungsartikeln, Videos und Zeitzeugenberichten. Dieter Thal ist einer dieser Zeitzeugen. Der damals Zehnjährige wohnte mit seiner Familie in den alten Hallen am Veddeler Bogen, wo heute das Museum ist.
„Am Morgen lag eine unheimliche Stille über dem Stadtteil“, erinnert er sich. Das sei ihm zuallererst aufgefallen. Am Abend zuvor hätte er das Hochwasserschießen gehört, doch sich nicht viel dabei gedacht, denn das sei schließlich öfters vorgekommen. Auch der Stromausfall in der Nacht sei nicht weiter ungewöhnlich gewesen. Doch als sein Vater sich in der Frühe auf den Weg zur Arbeit machte und wenig später unverrichteter Dinge zurückkam, habe er geahnt, dass etwas Außergewöhnliches geschehen sein
musste. „Alles stand unter Wasser, man kam nicht mehr weg!“
Wegen des Stromausfalls waren die Bewohner der Elbinseln von der Außenwelt abgeschnitten, keine Radiomeldung drang zu ihnen durch. Deshalb sei man zum Bahndamm gegangen, um zu gucken, was los ist. Thal: „Von hier aus konnten wir das Ausmaß der Katastrophe sehen.“ Überall seien Menschen herumgeirrt, auf der Suche nach überlebenden Angehörigen. „Ich hörte überall Schreie!“, so Thal. Vor der Kirche lagen zehn, zwölf Tote, notdürftig mit Planen abgedeckt. „Eine Frau riss alle Planen herunter, sie suchte jemanden, das war ein Schock für uns Kinder“, so Thal erschüttert.
Am Nachmittag seien dann die ersten Bundeswehreinheiten angerückt, brachten heiße Suppe und frisches Wasser in die Hallen – und endlich auch Informationen. 340 Menschen haben in dieser Nacht ihr Leben verloren. Dieter Thal hatte Glück: „Unsere Familie hatte keine Opfer zu beklagen.“
Das Veddeler Erzählcafé hat eine Broschüre zum Thema Sturmflut 1962 herausgebracht. Das Heft kostet vier Euro. Infos: Dieter Thal, Telefon 04152-83 53 37.

Das Auswanderermuseum BallinStadt, Veddeler Bogen 2, zeigt am historischen Ort der Geschehnisse eine Ausstellung zum 50. Jahrestag der Flutkatastrophe von 1962. Anhand von Fotos, Zeitungsartikeln, Audio- und Videoeinspielungen sowie Zeitzeugenberichten veranschaulicht die BallinStadt, wie die Menschen vor 50 Jahren gegen die zerstörerischen Wassermassen ankämpften und welche Auswirkungen die Flut auf Hamburg hatte. Die Sonderausstellung ist bis zum 29. Februar täglich von 10 bis 16.30 Uhr geöffnet.
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