Auf den Spuren eines Filmklassikers

Frank Hempel (68), Wilhelmsburger Urgestein, steht vor dem Wasserturm am Veringkanal. 1975 wurden hier Szenen für Nordsee ist Mordsee abgedreht Foto: TSILIS

Vor 40 Jahren wurden in Wilhelmsburg Szenen
des Streifens „Nordsee ist Mordsee“ gedreht

Von Andreas Tsilis.
Nordsee ist Mordsee“ – 40 Jahre ist es her, dass Szenen dieses Films im Wilhelmsburger Bahnhofsviertel und am
Veringkanal gedreht wurden. Heute erinnert zwischen Wasserturm und Krankenhaus nichts mehr daran, dass 1975 der junge Uwe Enkelmann (Uwe Schiedrowsky) und Dschingis Bowakow (Dschingis Ulanow) mit einem selbst
gebastelten Floß elbabwärts ab-
hauten.
Vor Ort erklärt ein blaues Schild, dass der Kanal 1891 erbaut wurde und von der Wassergenossenschaft der Anlieger des Veringkanals auf Wilhemsburg genutzt wird. Von der Genossenschaft ist weit und breit niemand zu sehen, lediglich ein paar Angler verlieren sich im dichten Gebüsch. Flöße sichtet man so gut wie gar nicht. „Das letzte Mal vor zwei Jahren“, sagt ein Anwohner, der Krankenpfleger Mirko Musilak. Ob das stimmt? Auf Nachfrage ist sich Musilak dann doch nicht mehr so sicher. Laut der Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) ist das Schippern auf der Elbe mit einem Floß „nicht genehmigungsfähig“: Ein Floß sei kein Fahrzeug, sondern ein „zusammengebautes Etwas“.
Und wer will sich schon, außer im Film, gegen amtliche Auflagen auflehnen? Kioskbesitzerin Kirsten Hagemann und Rentner Frank Hempel schütteln den Kopf. Beide leben schon seit Jahrzehnten am und mit dem Fluss. „Nein, Flöße, so was kommt nicht vor.“ Häufig fahren Ausflugsdampfer nach Bergedorf. „Die nehmen aber eine andere Richtung.“
Im Wasserturm, der schon lange Wohnungen beherbergt, hat man von dem Film gehört, und damit ist dann auch schon Schluss. Das Thema interessiert nur mäßig. Viel lieber will man mit dem Gerücht aufräumen, dass die Turmzimmer rund sind. „Der Turm ist ja auch nicht rund, sondern eckig“, sagt Musilak.
In der Neuenfelder Straße 86, Uwe Enkelmanns ehemaligen Wohnort, weiß man mit dem Film-Titel gar nichts anzufangen.
„Nordsee ist Mordsee“ - wer das sagt, trifft auf Achselzucken und Unverständnis. Damals war das anders - da löste der Film heiße Diskussionen über die Altersfreigabe aus. Heute ist es die IGA, über die man sich im Viertel unweit vom Inselpark und Einkaufscenter aufregt.
Immerhin: Udo Lindenberg, der vor 40 Jahren als „Rocker“ die Musik zum Film beisteuerte, ist im Quartier allen ein Begriff: „Das ist doch der mit ‘Cello’ und ‘Hinterm Horizont’!“

Nordsee ist Mordsee
Jugendfilm, Drama
Erscheinungsjahr: 1976
Regie: Hark Bohm
Musik: Udo Lindenberg
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