Auch wenn das Küken piepst: Es geht ihm gut

Die Fütterung im Tierheim ist aufwendig. (Foto: Hamburger Tierschutzverein)

Tierheim appelliert: Aus dem Nest gefallene Jungvögel nicht aufsammeln!

Wer in diesen Tagen einen Jungvogel ganz allein am Boden herumhüpfen sieht – Hände weg! Auch wenn das Küken noch so herzzerreißend piepst: Es ist weder in Gefahr noch braucht es Hilfe. „Viele Leute bringen gerade flügge gewordene Vögel ins Tierheim, weil sie denken, das Tier ist in Not“, sagt Gerhard Brodowski, Vogelkundler aus Wilhelmsburg. „Die Leute meinen es gut, schaden aber dem Küken nur!“
Der Wilhelmsburger hatte letzte Woche im Tierheim Sü-derstraße zu tun und war erschüttert, als er dort die vielen Jungvögel sah. „Es war schreck-lich zu erleben, wie die Lütten nach ihrer Mama schreien“, so Brodowski. Genauso verzweifelt würden die Eltern am leeren Nest ihre Jungen suchen.
Tatsächlich verzeichnet das Tierheim zurzeit 83 piepsende Neuzugänge, alles Nestflüchtlinge, die von ahnungslosen Passanten aufgelesen wurden. Vor allem Krähen, Amseln, Drosseln, Blaumeisen und Elstern, aber auch einen Eichelhäher und einen Dompfaff. „In 90 Prozent der Fälle ist diese Kindesentführung unberechtigt“, stellt Tierheim-Leiterin Katharina Woytalewicz klar. Denn beim vermeintlich kläglichen Gepiepse würde es sich in Wirklichkeit um
Lockrufe handeln, die den Eltern den Weg zu ihren Jungen weisen sollen. „Die Küken verteilen sich auch zum Schutz auf dem Boden“, so Woytalewicz. Fünf herumhopsende Küken seien unten im Gras sicherer gegen Nesträuber als oben im Nest.
Die „Kindesentführung“ ist jedoch nicht nur überflüssig, sondern bedeutet für die Mitarbeiter des Tierheims auch erheblichen Arbeitsaufwand. Von den frühen Morgenstunden bis spät abends gehen die Pfleger von Schnabel zu Schnabel, um Grillen, Mehlwürmer oder eigens Angerührtes zu verfüttern. Woytalewicz: „Das ist eine hochaufwendige Sache, für die wir sogar Mitarbeiter zusätzlich einstellen müssen.“
Die Jungvögel werden zunächst in Nistplätzen und speziellen Volieren aufgepäppelt, vier bis sechs Wochen später werden sie in Außenvolieren umquartiert, von wo aus sie durch eine offene Luke in die Freiheit fliegen können.
Mehr Infos zum Vogelschutz unter www.brodowski-fotografie.de/vorwort/vogelschutz_und_naturschutz.html
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