Armut als künstlerisches Thema

Maren Fiebig – ihr Alter möchte sie nicht verraten – vor ihrem Zuhause in Moorwerder. Foto: cvs (Foto: cvs)

Sozialkritische Malerin: Maren Fiebig aus Moorwerder

von Ch. v. Savigny

Wenn Maren Fiebig zur Straße rausguckt, blickt sie auf den grasbewachsenen Deich zur Norderelbe. An der Rückseite ihres Hauses befindet sich ein wunderschöner Garten. Und ein bisschen weiter weg ein zweiter Deich – der zur Süderelbe. Irgendwo dazwischen, in der grünen Natur von Moorwerder, lebt Fiebig seit sechs Jahren in einem über 100 Jahre alten
Backsteinhaus. „Ich habe mich bewusst für Wilhelmsburg entschieden, weil der Stadtteil so bunt und vielseitig ist“, sagt die gebürtige Hamburgerin und Ex-Altonaerin.
Auf drei kleinen, geschmack-voll eingerichteten Stockwerken lebt und arbeitet die Wilhelmsburger Künstlerin und Pädagogin. Ihre Werke, die in Öl, Acryl, Pastell oder Mischtechnik entstehen, zeigen häufig Menschen in Armut oder in sozialen Notlagen – etwa Kinder, Bettler und Obdachlose. Auf einem sieht man zwei Kinder auf der Straße: Die Hose des Jungen hat ein Loch, eine Fensterscheibe ist zu Bruch gegangen. Die Gesichtsausdrücke der beiden wirken seltsam leer und unbeteiligt. Eine unspektakuläre Momentaufnahme, die mehr ausdrückt, als es zunächst den Anschein hat. „Armut ist ein Thema, das mich schon immer beschäftigt hat“, sagt Fiebig. „Kunst bietet eine gute Möglichkeit, soziale Missstände zum Ausdruck zu bringen.“
Ein weiteres Bild ist kurz nach der Erdbebenkatastrophe von Fukushima entstanden. Es zeigt einen jungen Menschen, der zusammengesunken in einer öden, vermüllten Landschaft hockt. Im Hintergrund steht grau und bedrohlich ein Atomkraftwerk. Der Müll ragt plas-tisch aus dem Bild heraus: Schrauben, Steine, eine kaputte CD und sogar eine alte Fernbedienung hat die Künstlerin mit Klebemörtel eingefügt.
Nebenbei unterrichtet Fiebig an Schulen und bietet einen kos-tenlosen Mal-, Zeichen- und Fotografierkurs („Inselatelier“) an, der sich an Behinderte und Nicht-Behinderte wendet. Auch mit Obdachlosen hat sie schon gearbeitet. „Wer künstlerisch tätig wird, lernt sich auszudrücken und steigert sein Selbstbewusstsein“, hat Fiebig festgestellt. Die Ausstellungen der Künstlerin sind regelmäßig in Wilhelmsburg und Umgebung zu sehen.
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