Arbeitsloser zum Nichtstun verdonnert

Ralf Goetzke hat endlich eine passende Stelle gefunden, darf sie aber nicht antreten. „Das ist der reinste Nervenkrieg“, sagt er.

Zwischen den Mühlen der Bürokratie: Weil die Rentenversicherung pennt, kann das Arbeitsamt nichts für den 48-Jährigen tun

Der arbeitslose Ralf Goetzke hat alles richtig gemacht: Er hat Initiative gezeigt, einen neuen Job in der Tasche, und nun wird er genau dafür bestraft.
In den vergangenen acht Jahren hatte der 48-Jährige zwei schwere Arbeitsunfälle, beide Male verletzte er sich an der Schulter. Seit der letzten Reha steht fest, dass er in seinen Beruf als Kraftfahrer nicht mehr arbeiten kann. Doch statt Trübsal zu blasen, suchte er sich auf eigene Faust eine Stelle, die er trotz gesundheitlicher Einschränkungen meistern könnte. „Doch jetzt legt mir das Arbeitsamt Steine in den Weg“, klagt er.
Anderthalb Jahre war Ralf Goetzke krankgeschrieben, seit Juni ist er arbeitslos gemeldet. Bei der Deutschen Rentenversicherung Nord hat er eine Umschulung beantragt. „Seit einem Jahr warte ich vergeblich auf einen Bescheid“, ärgert er sich.
Des Wartens überdrüssig, durchforstete er die Kleinanzeigen im Wochenblatt – und wurde fündig. Die Firma ASW, ein mitteldeutsches Sicherheitsunternehmen, suchte für ihre Hamburger Zweigstelle neue Mitarbeiter. Die Tätigkeit: Am Bildschirm gescannte Luftfracht auf verdächtige Gegenstände beobachten. „Man wird nicht reich, aber diesen Job könnte ich bis zur Rente machen, auch mit kaputter Schulter“, erzählt Ralf Goetzke begeistert. Er bewirbt sich – und wird genommen!
Einzige Voraussetzung: eine elfwöchige Schulung, in der die Bewerber zur Luftsicherheitskontrollkraft ausgebildet werden. Kosten: 3.400 Euro. Goetzke geht zur Arbeitsagentur Harburg und bittet um Kostenübernahme, den bereits unterschriebenen Arbeitsvertrag legt er vor. Dann der Schock: Abgelehnt! Der 48-Jährige versteht die Welt nicht mehr: „Die zahlen mir 1.000 Euro monatlich Arbeitslosengeld, das Geld hätten die nach drei Monaten wieder drin“, rechnet Goetzke. „Warum also zahlen die nicht?“
Die Arbeitsagentur verweist auf die beantragte Umschulung bei der Rentenversicherung. „Wenn solche Verfahren laufen, dürfen wir nicht doppelt fördern“, erklärt Knut Böhrnsen, Sprecher der Arbeitsagentur. Doch es gäbe einen Ausweg: Goetzke könnte seinen Antrag zurückziehen. Die Arbeitsagentur würde dann mittels eines ärztlichen Gutachtens prüfen, ob die neue Weiterbildung für ihn in Frage käme. Doch dazu reicht die Zeit nicht: Die Schulung hat letzten Freitag begonnen – ohne Ralf Goetzke.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.