Arbeitsloseninitiative kämpft um Existenz

AIW-Geschäftsführer Joachim Januschek sorgt sich um die Zukunft der Arbeitsloseninitiative. Foto: cvs (Foto: cvs)

Nach Kürzungen sind 72 Ein-Euro-Stellen weggefallen

von Christopher v. Savigny

Schwerer Rückschlag für die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg (AIW): Nach massiven Kürzungen des Bundes wurden der Einrichtung, die in der Industriestraße und im Deichhaus am Stübenplatz untergebracht ist, sämtliche Ein-Euro-Stellen gestrichen. „Seit dem 1. Januar müssen wir mit 72 Angestellten weniger auskommen“, berichtet AIW-Geschäftsführer Joachim Januschek.
Geblieben sind der AIW lediglich ein paar Festangestellte, einige Ehrenamtliche sowie 22 Beschäftigte nach Paragraf 16e des Sozialgesetzbuchs – das sind speziell geförderte Langzeitarbeitslose, die Sozialversicherungsschutz genießen. Bis zum Ende des Frühjahrs werde sich herausstellen, ob sich die Einrichtung in der Form überhaupt halten könne. Januschek: „Unsere Existenz steht auf dem Spiel.“
Die 1984 gegründete Arbeitsloseninitiative unterhält verschiedene Projekte: Im Deichhaus sind die Lebensmittelausgabe (Wilhelmsburger Tafel) und die soziale Betreuung untergebracht. Computerwerkstatt, Fahrradreparatur und -verleih, Umzugshilfe und Entrümpelungsservice sowie das Gebrauchtkaufhaus „Sammelsurium“ befinden sich im Werkhof in der Industriestraße. Das Grünpflegeprojekt war schon vor längerer Zeit aus Kostengründen zurückgefahren worden – derzeit sind nur noch drei bis vier Mitarbeiter mit der Parkpflege beauftragt.
Für die Lohnkosten ihrer 16e-Kräfte muss die AIW zum Teil selbst aufkommen – das war schon immer so. Ohne die Hilfe der Aktivjobber dürfte dies allerdings sehr viel schwieriger werden. „Es geht um 25.000 bis 30.000 Euro pro Monat“, so Januschek. Im schlimmsten Fall müsste die gemeinnützige GmbH, die 2009 als zweites Standbein der AIW ins Leben gerufen wurde, wieder dichtmachen. Es droht die Schließung des Werkhofs – und das Deichhaus würde wie in den Anfangsjahren von Ehrenamtlichen geführt. Um den Wegfall der Kräfte zu kompensieren, sollen längere Öffnungs- und Arbeitszeiten eingeführt werden. In Planung ist auch ein Nachmittagscafé im Deichhaus.
Einige Ex-Aktivjobber machen übrigens trotzdem weiter – freiwillig und ohne jede Bezahlung. „Ich mag die familiäre Atmosphäre und den Umgang mit Kunden“, sagt Christa Pannack, ehemalige Lageristin.
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2 Kommentare
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Rainer Peppelenbosch aus Wilhelmsburg | 12.01.2012 | 13:29  
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Eva Maria Schnoor aus Wilhelmsburg | 16.01.2012 | 15:15  
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