Anwohner fordern: Runter vom Gas!

Während der Gartenschau durfte auf der Wilhelmsburger Reichsstraße nur 50 km/h gefahren werden, jetzt sind Autofahrer hier wieder mit Tempo 70 unterwegs. (Foto: Manuel Humburg)

Nach dem Ende der igs wieder Tempo 70 auf der Wilhelmsburger Reichstraße – Behörden lehnen erneute Beschränkung ab

Täglich rollen rund 52.000 Fahrzeuge über die Wilhelmsburger Reichsstraße. Während der Internationalen Gartenschau galt für ihre Fahrer: Fuß vom Gas und höchstens 50 km/h fahren! Um die igs-Besucher vor Autolärm zu schützen, führte die Stadt das Tempolimit zwischen 9 und 22 Uhr ein, ließ zwischen den Anschlussstellen Wilhelmsburg Süd und Mitte Flüsterasphalt verlegen und Lärmschutzwände anbringen. Seit dem Ende der Gartenschau im Oktober können Autofahrer auf Wilhelmsburgs Stadtautobahn wieder auf die Tube drücken – und es ist wieder lauter. Trotz Forderungen aus dem Stadtteil die Beschränkung beizubehalten, setzen die zuständigen Behörden wieder auf
Tempo 70.
„Die Geschwindigkeitsbegrenzung hat sich bewährt“, sagt Lutz Cassel vom Beirat für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg. „Es hat nicht wie befürchtet mehr Staus und Unfälle gegeben, und es war einfach ruhiger.“ Der Beirat hatte empfohlen, das Tempolimit zum Schutz der Bevölkerung dauerhaft einzusetzen. Zudem würde so gleichzeitig die Straße geschützt, die ja langfristig verlegt werden soll, so Cassel. Auf die Beiratsempfehlung hin fordert auch die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, das Tempolimit bis zur Verlegung der Reichsstraße beizubehalten.
Durch die Lärmschutzmaßnahmen konnte der mittlere Schallpegel an der Reichsstraße auf 60 Dezibel reduziert werden – damit sank auch die Gesundheitsgefahr für Menschen, die dem Lärm ausgesetzt waren. Denn ab einem Tagespegel von 60 Dezibel steigt das Herzinfarktrisiko. Ohne das Tempolimit steigt der Pegel laut Umweltbehörde um etwa zwei Dezibel. Damit wird die Gesundheit der Anwohner nun wieder stärker belastet. „Warum sollten für Anwohner in Wilhelmsburg andere Grenzwerte gelten als für Gartenschaubesucher?“, fragt Manuel Humburg, pensionierter Hausarzt und Vorstandsmitglied vom Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg, der das Tempolimit ebenfalls befürwortet.
Trotz der Forderungen aus Wilhelmsburg lehnen sowohl die Polizei als auch die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) das Tempolimit ab. Die Verkehrsdirektion 51 der Polizei argumentiert, dass es nach der Gartenschau keine rechtliche Grundlage mehr für dafür gebe. Das Tempolimit sei von Anfang an zeitlich beschränkt gewesen und als Schutz der Kulturveranstaltungen während der igs umgesetzt worden.
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