Angeklagter lässt Verhandlung platzen

(Foto: Gerhard Frassa/pixelio)

Mutmaßlicher Kidnapper und Sex-Täter Yüksel S. stellt Befangenheitsantrag – Prozess zum zweiten Mal abgebrochen

Zum zweiten Mal ist der Prozess gegen Yüksel S. vor dem Harburger Amtsgericht geplatzt, bevor er überhaupt angefangen hat. Der 37-Jährige soll seine Ex-Freundin entführt, mehrere Tage eingesperrt und sexuell missbraucht haben. Während beim ersten Termin im Juni die Hauptbelastungszeugin nicht erschienen war, sorgte am vergangenen Freitag der Angeklagte selbst für einen Abbruch der Verhandlung – wegen angeb-licher Befangenheit des Richters.
Beim ersten Gerichtstermin hatte der Richter den anwesenden Pressefotografen erlaubt, nicht nur im Flur, sondern auch im Sitzungssaal zu fotografieren. Das ist zwar unangenehm für den Angeklagten, aber durchaus legitim. Als Yüksel S. sich beim Richter beschwerte, reagierte der mit dem Satz „Sie sind ja witzig!“ – und ließ die Fotografen weiter gewähren. Mit dem kleinen Wort „witzig“ begründete die Verteidigung ihren Befangenheitsantrag, es sei ein Indiz für die mangelnde Unparteilich des Richters. „Angeklagter und Verteidiger wurden der Presse ausgeliefert, und der Vorsitzende scheint das zum Lachen zu finden“, so der Anwalt.
Das Wort „witzig“ sei tatsächlich gefallen, aber nicht als „zum Lachen“ gemeint gewesen, so der Richter und verwies auf die worthistorische Bedeutung des Begriffes. Der „Witz“ leite sich aus dem althochdeutschen „Wissen“ her und sei verwandt mit dem Wort Gewitztheit. Da man das Wort jedoch unterschiedlich interpretieren könne, gab der Richter dem Antrag statt. „Da soll sich ein Kollege den Kopf zerbrechen.“
Weder witzig noch geistreich sind indessen die Vorwürfe, die Yüksel S. belasten. Im Februar 2012 soll er seine ehemalige Freundin Nicoleta R. in einem Hotel in ein Zimmer gesperrt und gedroht haben, ihr die Haare abzuschneiden, wenn sie nicht zu ihm zurückkehre. Drei Wochen später die nächs-te Attacke: S. soll seine Ex-Freundin mit Hilfe zweier Kumpel in einen Wagen gezerrt und in eine Wohnung in Barmbek verschleppt haben. Dort sperrte er die junge Frau vier Tage ein und zwang sie unter der Drohung, er werde ihren Freund krankenhausreif schlagen oder töten, zu sexuellen Handlungen.
Der nächste Verhandlungstermin steht noch aus.
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