Anfangs war die Kleiderkammer in einer Sauna

Flüchtlinge beim gemeinsamen Kochabend mit Benedikt Stefanowski. Foto: Jennifer Wiesbeck/DIH

Flüchtlingshilfe-Verein „Die Insel hilft“ besteht seit
einem Jahr - ein Interview mit Vereinssprecher Daniel Peter

Seit einem Jahr gibt es in Wilhelmsburg den Verein „Die Insel hilft“. Mit großem Einsatz machten sich die Mitglieder daran, Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Das erste Projekt war die Kleiderkammer im Erlerring, untergebracht in einer alten Sauna. Inzwischen ist die Kleiderkammer in die Ottensweide umgezogen, die alte Sauna wurde schnell zu eng. Längst steht fest: Flüchtlingshilfe in Wilhelmsburg ist ohne „Die Insel hilft“ nicht mehr vorstellbar. Im Interview beantwortet Sprecher Daniel Peter Fragen zum Vorzeigeverein.

Wie viele Mitglieder hat „Die Insel hilft“? Die Mitgliederanzahl des Vereins stieg konstant von den sieben Gründungsmitgliedern auf mittlerweile 55 Mitglieder. Da jedoch viele unserer Ehrenamtlichen keine offiziellen Mitglieder des Vereins sind, ist eine andere Zahl interessanter: Der Pool aus Ehrenamtlichen, die sich vereinzelt bis regelmäßig engagieren und die wir direkt ansprechen können, wenn wir Aktionen planen und Hilfe bei der Durchführung brauchen, besteht aus rund 150 Engagierten.

Wie viel Zeit investieren ihre Mitglieder etwa pro Woche? Unsere Ehrenamtlichen investieren je nach Projekt und Interesse unterschiedlich viel Zeit in die Flüchtlingshilfe. Einige nehmen für ein paar Stunden an einmaligen Aktionen wie dem Besuch von Veranstaltungen mit Geflüchteten teil, andere investieren jede Woche regelmäßig Zeit. Ehrenamtliche in der Kleiderkammer kümmern sich beispielsweise etwa vier Stunden wöchentlich jeweils entweder um Ausgabe oder Sortierung von Kleidung. Andere sind Halbzeit- oder Vollzeit-Ehrenamtliche wie die Koordinatoren der einzelnen Projekte wie Deutschunterricht oder Begleitung, und die Mitglieder des Vorstandes. Wir sind sehr stolz darauf, für jedes „Zeitbudget" eine passende Aufgabe zu haben.

In welchen Bereichen besteht weiterer Hilfebedarf? Der größte Hilfebedarf, bei denen wir die geflüchteten Menschen unterstützen können, besteht im Moment in frühen und professionellen Deutschkursen, einer schnellen und engagierten Integration in unsere Gesellschaft und warmer und hochwertiger Kleidung für den Winter.
Seit der Gründung unseres Vereins versuchen wir schnell und unkompliziert dort Hilfe zu leisten, wo sie gebraucht wird. Dass man als lokaler, ehrenamtlicher Verein langfristig nicht alle Probleme alleine lösen kann, ist verständlich. Deswegen ist es gut, dass unser Verein Bestandteil eines Netzwerks gesellschaftlicher Akteure ist und gute Beziehungen zu den Unterkünften, sowie Politik und Verwaltung pflegt.

Was ist das nächste Ziel des Vereins? Das nächste Ziel von Die Insel Hilft ist generell die Festigung unserer bisherigen Strukturen. Außerdem wollen wir den Aufbau der Container für unseren Verein in oder bei der Unterkunft in der Dratelnstraße, die uns von Politik und Verwaltung versprochen wurde, forcieren. Durch diese Container sind wir vor Ort und können die Geflüchteten direkt erreichen - eine unglaubliche Entlastung für die zuständigen Sozialarbeiter.

Bürgerpreis

Mit dem Bürgerpreis der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte können Menschen ausgezeichnet werden, die sich in den Bereichen Kultur, Soziales, Bildung, Sport und im Einsatz für demokratische Werte wie Toleranz und Teilhabe engagieren. In diesem Jahr wurden 57 Vorschläge eingereicht.
Über den ersten Preis durften sich Diana Ennet und ihr Verein „Die Insel hilft“ freuen. „Der Verein besticht durch sein unbürokratisches, humanitäres Vorgehen, direkt an den Menschen“, lobte die Jury. Mit dem Preisgeld von 3.000 Euro sollen dringend benötigte Anschaffungen wie Bücher und Kleidung finanziert werden.
Für ihr enormes Engagement im Sport wurden gemeinsam Cedat Cukadar (FC Veddel United) und Manfred Burbach (TC Wilhelmsburg) ausgezeichnet. Ihr Preisgeld: 2.500 Euro.
Weiterer Preisträger: Hüseyin Duman, langjähriger Leiter des Orchesters Umuda Türkü. Das Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro kommt dem
Orchester zu Gute.
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