Altbau soll Straße weichen

Geplanter Abriss des Rubberthauses erzürnt Anwohner und Politiker

von Christopher v. Savigny

Wird der neuen Wilhelmsburger Reichsstraße jetzt ein repräsentativer Gründerzeit-Altbau geopfert – und das, obwohl die Verlegung noch gar nicht unter Dach und Fach ist? Diese Frage bewegt derzeit viele. Es geht um das sogenannte „Rubberthaus“ an der Ecke Rubbertstraße, Vogelhüttendeich. „Ob die Wilhelmsburger Reichsstraße tatsächlich auf dieser Trasse gebaut wird, weiß heute noch niemand“, sagt Michael Rothschuh, Vorstandsmitglied im Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg. „Aber der Abriss des denkmalwürdigen Hauses ist nie wieder gut zu machen.“
An der stuckverzierten Fassade des Rubberthauses befindet sich ein Emblem mit dem Baujahr 1891 und dem Namen des ersten Besitzers „J. Rubbert“, einem früheren Wilhelmsburger Fabrikanten. Im Auftrag des Bundes, dem das Grundstück gehört, beginnt die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) jetzt damit, die neue Trasse für die Reichsstraße vorzubereiten. Derzeit wird nach einem Bieter gesucht, der auf dem Gelände kurzfristig, nämlich bis zum 15. Mai, eine Kampfmittelräumung vornehmen kann. Im Klartext würde dies den Abriss bedeuten, für den aber noch keine Genehmigung vorliegt. „Der Antrag wurde noch nicht gestellt, weil das Haus noch bewohnt ist“, so DEGES-Sprecherin Etta Schulze.
Mit dem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens wird frühestens Ende des Jahres gerechnet. Deshalb wehren sich nun auch Wilhelmsburgs Politiker: „Wir wollen echten Bürgerdialog, und das funktioniert nur, wenn die DEGES nicht jetzt schon Tatsachen schafft“, sagt Anja Keuchel (SPD). Einem entsprechenden SPD-Antrag hat der Regionalausschuss bereits zugestimmt. Keine Mehrheit fand dagegen ein Antrag der Linke-Fraktion, die das Haus unter Denkmalschutz stellen wollte. „Das wäre widersprüchlich, weil wir prinzipiell nicht gegen die Verlegung der Reichsstraße sind“, so Keuchel.
Das Rubberthaus steht bislang nicht auf der Liste der erkannten Denkmäler. „Entscheidend für die Einstufung als Denkmal ist die geschichtliche, wissenschaftliche, künstlerische oder stadtbildprägende Bedeutung des Objekts“, sagt Stefan Nowicki, Sprecher der Kulturbehörde. Zum Einzelfall könne er jedoch nichts beitragen.
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