Als die Themse durch Wilhelmsburg floss

Die Kattwykbrücke ist für die Hobby-Angler Fiete (l.), Kuddel und Hein (r.) der ideale „Drehort“, um „Action zu machen“. Foto: Tsilis

Auf der Elbinsel wurden viele Filme gedreht – auch „Das Gasthaus an der Themse“ mit Joachim Fuchsberger

Von Andreas Tsilis. 3,6 Millionen Menschen sahen zu, wie Joachim Fuchsberger als Inspektor Wade den tauchenden Harpunenmörder zur Strecke brachte. Das geschah 1962 im „Gasthaus an der Themse“, der hierzulande erfolgreichsten Verfilmung eines Edgar Wallace Romans.
Was wohl viele Zuschauer auch damals nicht wussten: Die Themse lag nicht in London, sondern auf der Elbinsel. Seit den 1960er-Jahren sind rund
ein Dutzend Filme auch in Wilhelmsburg gedreht worden. Viele Szenen spielten sich dabei an der Rethe- und Kattwykbrücke ab.
Zuletzt machte 2004 das Roadmovie „Erbsen auf halb 6“ von sich reden, ein preisgekrönter „Film über das Sehen“, der zwei Blinde auf kuriosen Umwegen über Wilhelmsburg nach Russland führt. Dort, mitten in der Einöde, finden beide zur gegenseitigen Liebe. Das war vor elf Jahren, seitdem sind laut
Hafenbehörde (HPA) zwar Reportagen und Dokumentationen an Rethe- und Kattwykbrücke entstanden, ein Gassenhauer war aber nicht darunter. Den
Eidelstedtern „Fiete“, „Kuddel“ und „Hein“ ist das „vollkommen wurst“. Die drei, die ihren wahren Namen nicht preisgeben, stehen sowieso eher auf handgemachte Action. Regelmäßig kommen sie zur Kattwykbrücke, um nach Zander und Aal zu angeln. „Die beißen hier besonders gut“, sagt Fiete, der Wortführer.

9.000 Autofahrer – keiner hält

Heute wollen sie erstmalig ihr Schlauchboot zu Wasser lassen. Das Ding ist eher eine größere Badewanne mit 5 PS-Außenborder. Ob so ein rumtuckern auf der Elbe erlaubt ist, wissen die Abenteurer nicht. „Ja“, sagt HPA-Sprecherin Sinje Pangritz, „allerdings ist der Berufsschifffahrt auszuweichen.“ Während die drei elbabwärts schippern, hält der Herforder Jürgen Koch auf der Brücke den Daumen raus.
Der Autohändler will per Anhalter zum BLG Autoterminal auf der Wilhelmsburger
Seite. Das macht er schon seit Jahren so, bisher hat ihn noch keiner der rund 9.000 täglich vorbeidonnernden Kraftfahrer mitgenommen. „Irgendwann klappts“, sagt Koch und geht weiter zu Fuß. Und das alles, um 18 Euro Taxigeld vom Bahnhof Harburg zur „Autoinsel“ zu sparen.
So schreibt an Wilhelmsburgs Brücken der Alltag die schönsten Geschichten. Vielleicht wird irgendwann ein Film draus.
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