Alle an einem Tisch

Samir Bajrami aus Bosnien kam mit seinen Söhnen Tafa (10, l.) und Kenan (8) zur Weihnachtsfeier.

Wilhelmsburger Tafel lädt Flüchtlinge zum traditionellen Weihnachtsessen ein

Kassler und Grünkohl können Samir Bajrami und seine Söhne Tafa (10) und Kenan (8) zwar nicht essen, doch sie lassen sich beim Weihnachtsfest der Wilhelmsburger Tafel das Halal Essen schmecken. Ehrenamtliche füllen die Teller der Muslime mit gebratenem Rindfleisch, Nudeln und Krautsalat – Essen, das die Ayasofya Moschee im Vogelhüttendeich für das Fest gespendet hat. Die Drei sind mit etwa 40 Bewohnern des Flüchtlingsheims im Kurdamm zum traditionellen Weihnachts-essen der Tafel ins Bürgerhaus gekommen, um gemeinsam mit etwa 200 Stamm-Besuchern der Einrichtung und Gästen aus dem Stadtteil zu feiern.

Flüchtlingsschicksale erinnern an Weihnachtsgeschichte

Besonders für die Kinder sei das Fest schön und eine willkommene Abwechslung, sagt Samir Bajrami. Seit neun Monaten lebt seine Familie – seine Frau und ein weiteres Kind sind in der Unterkunft geblieben – in Hamburg. Ihr Zuhause in Bosnien haben sie auf der Suche nach mehr Sicherheit und einem besseren Leben in Deutschland aufgegeben.
Auch Adnan Besić ist mit seiner Frau Hanna aus Bosnien nach Deutschland geflohen. „Die Schießerei ist vorbei, aber es ist nicht sicher. Es gibt noch Probleme und Unruhen. Und keine Zukunft“, sagt er. So sollte sein Sohn Aron Damir nicht aufwachsen müssen. Das Baby ist neun Monate alt und wurde nur vier Tage nachdem die beiden in Deutschland ankamen geboren. Adnan Besić ist froh, nach vielen Monaten in einer Erstaufnahmeeinrichtung, seit ein paar Wochen am Kurdamm zu leben. „Hier ist es ruhiger. In der Sportallee gab es jeden Tag Streit“, erzählt er.
Ruhe und ein paar sorglose Stunden wollten auch Volker Schenk und Hildebrand Henatsch von der Tafel den Flüchtlingen bescheren. Für sie war es selbstverständlich, die neuen Bewohner der Elbinsel zum Weih-nachtsessen einzuladen – auch weil ihr Schicksal an die Weih-nachtsgeschichte erinnert. „Jesus kam in unsicheren Verhältnissen zur Welt. Auch seine Eltern waren auf der Flucht“, sagt Henatsch. In seiner Begrüßungsrede wünschte der emeritierte Pastor der Emmaus-Gemeinde den
Gästen, dass ihre Flucht nun ein Ende hat und dass sie im Stadtteil ein neues Zuhause finden.
Die Wilhelmsburger Tafel veranstaltet das Weihnachtsessen für bedürftige Menschen aus dem Stadtteil nun schon im 13. Jahr. Traditionell gibt es Grünkohl mit Kassler. Das Essen wird vom Krankenhaus Groß Sand geliefert – die Hälfte der 200 Portionen als Spende. Besucher müssen keinen Eintritt zahlen, alle Kosten werden durch Spenden finanziert.
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